Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Idäisches Licht. Erstes Buch«. Gedichte 2006, Vers 10779 bis 10802

EINSAMKEIT


Du spürst sie früh, und schon in Kindertagen
Hat dich ihr Doppel-Angesicht umkreist,
Sie gilt als eine von den sieben Plagen,
Doch auch als Wunder, das der Dichter preist.

Du wirst, solang du lebst, kein Urteil wagen.
Sie ist die Schlange, die sich selbst verspeist.
Die blinde Sucht, mit der sie dich geschlagen,
Ist alles, was du wirklich von ihr weißt.

Sie treibt das Herz und sie verwirrt den Magen,
Sie trübt den Blick und sie verzückt den Geist,
Wer sie nicht liebt, versucht sie zu verjagen,
Doch kommt sie wieder, rächt sie sich zumeist.

Sie nährt den Traum und spinnt das Garn der Sagen,
Sie ist der Spiegel, drin die Sehnsucht gleißt.
Will ihre Laune sich mit dir vertragen,
Gibt sie sich zweisam und betrügt dich dreist.

Wenn sie dir schenkt, so hast du nichts zu klagen,
Doch winde aus dem Hort, wenn du sie freist,
Kein Gran zu viel, sonst packt sie dich am Kragen
Wie einen jungen Hund die Mutter beißt.

Sie steht und weiß die Zeiten zu durchragen
Als Fels, der Mut und Hinterlist verschleißt,
Doch manchmal reicht sie ohne alle Fragen
Den Schlüssel, daß du ihr die Welt entleihst.