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Aus »Heliodromus«. Gedichte 1993, Vers 7316 bis 7355

AN DEN DICHTER


I

Du bist in dieser Welt ein Meteor,
Daß man dich rühm, schieb einen Riegel vor,
Der dir die Zunge löst, will dich allein,
Dein Heil soll Traum und nicht die Nachwelt sein.

Was du dir schenken kannst, gib nicht für Lohn,
Dein ist der Dank, der Teil der Welt ist Hohn,
Du bist der Mund, der keinen Ruhm erwirbt,
Die Seidenraupe, die im Dunkeln stirbt.

Vielleicht, daß einer sich in dir erkennt,
Im gleichen Flammenkreis das Herz verbrennt,
Doch hüte dich, wenn er dir nicht genügt,
Er mordet, was er liebt, was ihn betrügt.

Luchs, Wiesel, Einhorn sind von selbem Wahn,
Kornblume dein, Anis und Baldrian,
Mercurium spricht von dir, noch im Fossil
Entholdet sich das Eins von Maß und Spiel.

Ob Stein, ob Bronze oder Stahlgeflecht,
Es ist nicht spät, du kommst gerade recht,
Du wanderst, was verharrt, bleibt außen vor,
Du bist in jeder Welt ein Meteor.


II

Du leuchtest, wenn die Katastrophe naht,
Es geht hier nicht um Dynastie und Staat,
Bedroht ist eines ganzen Äons Kraft,
Die Kunst, die Sitte und die Wissenschaft.

Die Erde hat schon manchen Brand erlebt,
Ihr Brautkleid manche Male neu gewebt,
Auch ist der Mensch gewiß ein zähes Tier,
Und manche lebten vor den Deutschen hier.

Du brauchst kein Volk, daß es den Spruch versteh,
Doch ohne Sprache sind kein Wohl und Weh,
Gibt dieses Volk sich auf in Zeit und Raum,
Wird auch dein Lied zum blinden Wogenschaum.

So sei dir nicht der Menge Walten gleich,
Nicht ohne sie gewinnst du Gott und Reich,
Du mußt benennen Warte, Feld und Flur,
Denn du bist dieser Sprache Anwalt nur.

So halte alles hoch, was deutsch und frei,
Du bist geborn, daß es bezeichnet sei,
Du bist verdammt zu deiner Dichtertat
Und leuchtest, wenn der Große Mittag naht.