Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Heliodromus«. Gedichte 1993, Vers 7908 bis 7931

ALLERSEELEN


Was muß ich dich im Nebelland verfehlen,
Wo auch des Ahorns Herrscherkleid verfiel,
Daß Dunst, darein sich die Gesänge stehlen,
Zuletzt an deiner Statt bestimmt den Stil?

Weißt du es noch – als wir zusammenkamen,
Trug jeder Wink schon des Gedichtes Keim.
Nun quält die Tür und ihren morschen Rahmen
Der Regen und er raunt für dich den Reim.

Mein Versfuß, durch galanten Scherz zu stelzen,
Vergnügte dich so wie Licin Catulls,
Doch Schnee wird unser Minnespiel bepelzen,
Und Pluto pocht in einem andern Puls.

Magie soll dich vor meine Augen bannen!
Sagt, Götter meiner Trunkenheit, sagt: Bin
Ich ganz allein und ist, was wir ersannen,
Verweht, und eine Klinge setzt den Sinn?

Saturn beschloß dem Dichtermut zu schaden,
Weil mich Apoll von deiner Jugend schied,
Doch liebtest du ein Aug, das sich beladen
Verstellte für ein wohlgeformtes Lied?

Mag sein, du nahst, wenn sich in Lerchenkehlen
Lenz kündet und sich leichthin fügt der Kiel,
Doch meine Weisheit schweigt zu Allerseelen
Beredt und schweigsam wie ein Traumfossil.