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Aus »Heliodromus«. Gedichte 1993, Vers 7932 bis 7979

TOTENHERBST


Reif bedeckt die Morgenstunde,
Die dein Warten nicht versteht,
Dieser Tag bringt keine Kunde
Als ein Blatt, herabgeweht,
Schwanke Bilder, welke Funde,
Die kein andrer Himmel braucht
Als der stumme, drein im Grunde
Manches Reisigfeuer raucht.

Opferkranz von jeder Sorte,
Wo die letzte Garbe wacht,
Daß die Blüte nicht verdorrte,
Daß die Ernte eingebracht,
Aber du, vom Quell der Worte
Ausgesetzt in Wind und Wahn,
Klagst an der Wacholderpforte,
Daß das Werk des Jahrs getan.

Nicht die Winternacht zu schmücken,
Ward der Sommer zu Gesang,
Nur Verwelkendes zu pflücken,
Gingst du seinen Pfad entlang,
Kein Verweilen will dir glücken,
Wenn du das Verwehn im Herbst,
Ob im Ganzen, ob in Stücken,
Safran oder purpurn färbst.

Du erinnerst dich des blauen
Auges, das du einst begehrt,
Maiennacht und Tag des Pfauen
Waren hold in eins gekehrt,
Und du weiß, dein trunknes Schauen
Hat die Lerche oft verlacht,
Im Novemberwind, im rauhen,
Gibst du auf ihr Schweigen acht.

Kein Gefährte mag dir frommen,
Luftgebilde, Spott und Spuk
Frage, wo du hingekommen
Auf der Woge, die dich trug.
Und du ahndest jäh beklommen,
Daß dein Herz den Federpfeil
Und die Eide ernst genommen,
Daß es pocht auf seinen Teil.

Ach, das Herz kann nicht verzeihen,
Daß dein Mut für Lied und Reim
Alle Wonnen, alle Weihen
Gab, und läßt dich nicht mehr heim,
Fragst du, wo die Götter seien,
Flammt ihr Gold im späten Herbst,
Und im Feld die Krähen schreien,
Was du stumm und einsam erbst.