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Aus »Heliodromus«. Gedichte 1993, Vers 7708 bis 7731

IN MEMORIAM


Flattern die Wolken vorüber mit leichter Beschwerde,
Weckt mich der Bussard mit heftig gestoßenem Schrei,
Ist mir der Pfingstmond die letzte Versuchung der Erde
Oder dein Auge im Blauen der Wald-Akelei.

Juno, geharnischt, befielt ihre Minner zu Pferde,
Aber was du ihrer Herrschaft zu opfern geruhst,
Läßt seinen Schatten im heimlichen Dunkel der Erde,
Und ich entscheide nicht mehr, ob du träumst oder tust.

Wasser im Kelch und das knisternde Feuer im Herde
Haben erst dich und zuletzt die Legenden gespeist,
Auf der noch immer von Göttern besiedelten Erde
Ruft dich der Traum, der auf frühere Träume verweist.

Daß es das unsre und dadurch das heilige werde,
Reich durch das Blut, das die Mären und Lieder erneut,
Küßt du im Lande der Sehnsucht die offene Erde,
Die nicht Gewitter und dichteste Schwerthimmel scheut.

Ob dich Skorpion, der die Stunde erwartet, gefährde?
Nichts ist gewiß, doch die Stirn offenbart deinen Gruß.
Und er bedeutet: Im Einklang von Himmel und Erde
Darfst du vertraun auf den eignen beflügelten Fuß.

Was von uns bleibt, ist vielleicht nur die eine Gebärde.
Weltwund und weise nach nächtlich verlorenem Ritt
Trägst du gerichtet die härene Kutte der Erde,
Aber ich seh dich noch immer im weißen Habit.