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Aus »Der Weiße Falter«. Gedichte 1992, Vers 5731 bis 5778

SPHINX


Sommer hat dich aufgerufen,
Seinem Lob dich einzureihn,
Und mit fessellosen Hufen
Möchtest du das Einhorn sein.
Wie die Träume, die dich schufen,
Nennst du, was dich wachrief, dein,
Aber auf den Tempelstufen
Fordert dich das Haupt von Stein.

Oft schon hast du es vermutet,
Doch du warst im Labyrinth,
Wie der Fluß den Fels umflutet,
Spieler stets, der hoch gewinnt.
Daß ihr nicht beisammen ruhtet,
Trug dein Wolkenherz aus Wind,
Doch die Wunde, die nicht blutet,
Wacht im Stein und fordert blind.

Allen dein Geschenk zu bringen,
Ziehst du, wenn der Traum dich ließ,
Und mit deinen Schritten singen
Feld und Wiese, Sand und Kies.
Jenen, die sich jäh verfingen,
Werde-Kreis und nichts als dies,
Singst du Land und dein Gelingen,
Doch der Stein dich schweigen hieß.

Mächte, die verborgen lenken,
Zögern. Doch die keiner zwingt,
Fragst du, ob sie dein gedenken,
Bist du nur der Gott, der singt?
Selig ist es, frei zu schenken,
Bitter, wer geschlagen bringt,
Wind mag ihn im Sand versenken,
Doch der Stein wacht unbedingt.

Oft betrachtest du die Waden,
Ob du endlich Hermes bist,
Willst dich in den Wassern baden,
Wo der Mensch den Mensch vergißt,
Doch der Ariadnefaden,
Der dich leitet und bemißt,
Hat dein Herz zum Streit geladen
Mit dem Stein, der blinder ist.

Rechter Hand vernarbte Stellen,
Doch die Wunde blutet links.
Weißt du nun, wo deine Quellen?
Ists das eigne Blut, so trinks.
Nicht die Winde, nicht die Wellen,
Nich Apoll gelaßnen Winks:
Niemand wir ein Urteil fällen,
Aber steinern wacht die Sphinx.