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Aus »Der Weiße Falter«. Gedichte 1992, Vers 7020 bis 7067

TRANK UND GEIST


Erkenne meinen Hof und schöpf den Trank
Vom Brunnen, noch bevor der Abend sank.
Du bist erschöpft und deine Seele krank,
So sei gelabt und wasch dein Auge blank.
Hier bist du wohl bewahrt vor Krieg und Zank,
Ich frage nichts, erzähl den Birken schlank
Dein Los, und daß du ruhst auf schlichter Bank,
Sei Ehre mir und meinen Göttern Dank.

Ersteige meinen Horst und faß den Met
Mit beiden Händen, wenn der Westwind weht,
Wer hoch hinaus und stets aufs ganze geht,
Der meidet Gram und weibisches Gered.
Drum schmiede, bis der Runenzauber dreht
Das Schwert, und wenn das Aug nach Trübung fleht,
So sei gewiß, sobald das Füllhorn steht,
Komm ich dem Wunsch zuvor und dem Gebet.

Erfahre meine Halle, schmeck das Bier,
Daß niemand sag, du seiest säumig hier,
Dort wo die Schwarte tropft von Elch und Stier,
Vervollkommnt dich das Faß zum reinen Tier.
Die Rüstung, Helm und Wappenschmuck verlier,
Im Reich der Mütter lösch Gestalt und Gier,
Und was mein Stab dir reimt, das glaube mir
Und träum am Fuß von Eiche und Menhir.

Erinnre meines Heims dich, koste Wein,
Wer mich besucht, muß immer trunken sein.
Das Wunder liegt zutag im Sonnenschein,
Denn flüssig ist das wahre Gold vom Rhein.
Was lebt, das liebt, was lieben kann, ist mein,
So spricht der Becher, wenn die Dichter frein.
Was dichtet, schäumt, drum schenk nicht mäßig ein,
Wer so sich läutert, wird zum Edelstein.

Erobere mein Herz und tausch das Blut,
Ein andrer Trank verdünnt den eignen Sud,
Wenn uns der Rausch nicht reicht, die Augenglut
Das Band zerreißt, dann sind die Zähne gut.
Was sich nicht wehrt, das weckt die nackte Wut,
Daß Eros thront und Ares maßlos tut,
Bis der Olymp sich schloß mit Harm und Hut,
Und gastlich sei mein Haus der großen Flut.

Erwähle meine Huld und laß den Geist
Ausschweifen ins Gedicht, das dich beweist.
Er setzt das Maß, das du dem Schenken leihst,
Doch maßlos ist er selbst und trunken meist.
Er hat die Länder, die du suchst, bereist,
Er sagt dir nicht, wie du zur Mittnacht heißt,
Doch hegt er keinen Zweifel, wer du seist,
Und kennt den Trank, daß du zuletzt verzeihst.