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Aus »Der Weiße Falter«. Gedichte 1992, Vers 6916 bis 6963

DAS TOR DES WESTENS


Sag, Seher des Rades, der Schale,
Welch Reich dir im Westen vertraut,
Umklammert dich Ozeans fahle
Traumfarbe im Weltwogen-Laut?
Wenn Apophis, Laichplatz der Aale,
Im Spiegel, der blind bleibt, ergraut,
Gewahre im Grau der Opale
Den Schlund, der die Sonne verdaut.

Der Fahrende, abhold profaner
Ermüdung im Schlingwuchs von Tang,
Erkennt unterm Stier der Iraner
Den Widder mit großem Gesang,
Er tritt durch das Tor der Erahner
Und niemand bestreitet den Gang,
Er bannt den Hermopolitaner
Und nährt sich von magischem Fang.

Sein Spruch ist die goldene Barke,
Sein Auge verkündet: Du weißt.
Kein Uschebti reicht ihm die Harke,
Kein Klagvogel trübt seinen Geist,
Er trinkt von den Bieren das starke,
Das Hirn er des Pavian verspeist
Und herrscherlich setzt er die Marke
Ins Nirgendwem, das ihn umgleißt.

Er trägt seinen Himmel im Herzen
Und Horus entlieh er die Tracht,
Der Messersee wird ihn nicht schmerzen,
Die Schlange besucht ihn bei Nacht,
Sein Kreis ist erleuchtet mit Kerzen,
Von Häuptern, gekrönten, gebracht,
Was duldet, verfällt seinen Scherzen,
Was aufsteht, verfällt seiner Macht.

Er nennt sich der Phoenix, das Gestern,
Er weiß, wen das Morgen zerstört,
Er weiß, was die Sieben verlästern,
Die Trauer der Isis empört,
Er treibt das Gewürm aus den Nestern
Am Ibishang, den er beschwört,
Er macht sich die Schwalben zu Schwestern
Und hat auch dem Falken gehört.

Dies wisse und sag deinen Gästen,
Der Kampfplatz der Götter ist rot,
Nichts blieb von den großen Palästen,
Doch dieser Kampf weiß nichts vom Tod,
Zwar fallen von jeher die Besten,
Und Sang wird von Schweigen bedroht,
Doch steht vor dem Tor gegen Westen
Ein Einzelner aufrecht im Boot.