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Aus »Der Weiße Falter«. Gedichte 1992, Vers 6317 bis 6352

VIER WINDE


Vier Winde hat der Himmel dir geboren,
Ungleiche Brüder, die einander fremd,
Wer sich wie sie der Wanderschaft verschworen,
Spürt einen meist im Haar und auch im Hemd.

Der Leib ist deiner Seele weißes Segel,
Zu fliegen bläht es Wind mit froher Macht,
So braucht sie weder Pilgerpfad noch Regel
Und hat dem Traum die Führerschaft vermacht.

Allein der Aar ist freier in der Weite,
Drum grubst du ihn in Wappen, Siegel, Schild,
Daß sein Geheimnis deine Schritte leite,
Erkennst du dich in seinem Ebenbild.

Auf Hügeln, da die Winde walten, horsten
Die Greife, und auch du stehst auf Arnshaugk,
Hier ist so manches Scheunendach geborsten,
Doch hell bleibt hier die Stimme und das Aug.

Vom Nord ist dir das frühste Heil gekommen,
Wo Raben schrein und Thor die Midgart bannt,
Das Eis hat dir die Kinderfurcht genommen,
Das Herz bewaffnet und den Traum benannt.

Vom West kam dir der Sinn für See und Barke,
Wo Strandgut trägt der Woge weißer Saum,
Im Laub des Leibs umschmeichelt dich der Starke,
Der Ferge durch der Nebelwolken Traum.

Vom Süden ward das Licht und so die Gnade,
Wo Baldur fiel, ergrünt der schwarze Eich,
Daß dich zum Mahl der Auferstandne lade,
Vollendet sich dein Tun im Traum vom Reich.

Was Heil und Gnade nicht, noch Stärke führen,
Zeigt dir der Brüder jüngster aus dem Ost,
Es ist Geduld, sie in der Hand zu spüren,
Sollst wachen du, allein, bei karger Kost.

Sie heißt auch Segen, so wie Kraft die Stärke,
Wie Hoheit Heil, und wie die Gnade Gut,
Daß Gott sich wiederschau in deinem Werke,
Beweis als Segel und als Mitte Mut.