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Aus »Der Weiße Falter«. Gedichte 1992, Vers 6107 bis 6154

KEINE BLUMEN


Du, als Frühling ward, gegangen,
Ostermond, der treibt und weckt,
Hältst das Winterherz gefangen
Und die Hand, die blind vollstreckt,
Was die schwarzen Mauern brüten,
Pilzbesät und blutgetränkt,
Die dein großes Schweigen hüten,
Dem man keine Blumen schenkt.

Krebs und Salamander wohnen,
Wo du Labyrinthe baust,
Wer herabstieg, dir zu fronen,
Trägt die Keule in der Faust.
Muschelhaus und Honigwabe,
Spiegel, Prisma, Astrolab,
Alles meint dich, doch ich habe
Keine Blumen für dein Grab.

Raupe, die dich nicht bekümmert,
Gräbt die Runenspur ins Laub,
Aus dem Schädel, steinzertrümmert,
Flieht statt Herzblut Sporenstaub,
Wo der Tod sein Amt verloren,
Wo das Leben dich nicht fängt,
Wird der Täter dir zum Toren,
Dem man keine Blumen schenkt.

Turm, darin die Stufen scherzen,
Auf und ab, nicht abzusehn,
Wer sich so verlor im Herzen,
Läßt den Tröster achtlos stehn.
Handelnde im Netz der Spinne,
Die nicht weiß, was sie uns gab,
Sind wir dein, doch ich gewinne
Keine Blumen für dein Grab.

Zögest du aus meinen Händen
Eine Karte, wärs die Welt,
Doch du dürftest sie nicht wenden,
Ich nicht sehn, wer recht behält,
Kein Orakel soll uns leiten,
Wo allein das Schweigen lenkt,
Unterm Schwert der Außer-Zeiten,
Dem man keine Blumen schenkt.

Reibt der Traum als Seelenrufer
Lampe Aladins, die blinkt,
Bricht der Schattenfluß sein Ufer,
Daß er schau, wer länger trinkt.
Efeu rankt, und Faune schreien,
Fruchtbar bleibt der Schlangenstab,
Alles wächst, doch mir gedeihen
Keine Blumen für dein Grab.