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Aus »Der Weiße Falter«. Gedichte 1992, Vers 6059 bis 6106

THESEUS


Die Wege sind dunkel, doch weiter
Als du, und so achte dein Stück,
Fahr wohl oder zaudre und scheiter,
Irrt jemals dein Auge zurück,
Ich wandte den Blick und ich lehre,
Den Zweifel zu lieben, die Nacht,
Die Traum und Gedächtnis und Ehre
Und all deine Götter bewacht.

Die Dunklen, die Blindheit vererben,
Nichtwissen vom Los, das dir fiel,
Sind gut, wenn du kommst mit Verderben,
Doch grausam, verdirbst du das Spiel,
Sie schlafen nicht, aber sie träumen
Wie riesige Spinnen die Zeit,
Sie wachen nicht, doch sie versäumen
Nicht eine, in allen bereit.

Ich schritt und ich ließ einen Faden
Auf Spuren, die blindlings zerwehn,
Wo Winkel und selbst die Geraden
Aus Schlaf und Vergessen bestehn,
Wo Schlünde wie Vipern sich blähen,
Wo Staub haust und Namen nicht sind,
Verhieß mir die Seide Trophäen
Und Heimkunft dem, der sie gewinnt.

Doch alles, was Menschen erringen,
Ist eitel und wendet sich bald,
Die Schlüssel erfährst du als Schlingen,
Was leicht war, wird hart und Gestalt,
Was feind war und Prüfung dem Täter,
Kommt nah und du siehst es genau,
Es scheint dir verwandt und viel später
Erkennst du dich selbst und die Frau.

Ich wollte den Blick erst nicht wenden.
Du standest im Fackelschein, kaum
Erkenntlich, doch hoch in den Händen,
So hieltest den Traum du vom Traum.
Vergiß mich, o leichter Geliebte,
Ich blickte zu nahe, vergib
Das Gold, das aus Sanden ich siebte
Und das mir entrann durch das Sieb.

Es sind nicht die Götter, die trennen,
Nicht Wind, nicht die Segel, die See,
Doch wenn wir uns selber erkennen,
So sind wir verraten seit je,
Wohl dem, der im Kerker der Seele,
Unkundig des Lichtes, verblich,
Dem Blindheit sein Antlitz verhehle,
Den Sieg und die Heimkunft und dich.