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Aus »Der Seerosenritter«. Gedichte 1990, Vers 3601 bis 3644

DER ROTE HIEL


I

Der Rote Hiel ist ein verwunschner Pfuhl
Im Plothner Hag, wo zwischen Damm und Kuhl
Auf hoher Warte schuf der Himmesfluß
Ein Märenreich für Röhricht, Star und Uhl.

Hier gab die Nymphe dir den ersten Kuß,
Hier träumtest du bei Eich und Haselnuß,
Hier sprach der Lieb das rote Ahornblatt,
Daß einst sie hold ans Ufer schwimmen muß.

Die Seeros war dein Stern an dieser Statt,
Du sahst dich nie an ihrer Schönheit satt,
Sie sprach, doch für die Mär von Reich und Rex
Warst du zu schmal, das Knabenkinn zu glatt.

Gefahr war dir bewußt, vor Schlinggewächs,
Reißfesten Stengeln, die wie Nix und Hex
Den Frevler überstelln dem Höllenhund,
Warst du gewarnt am Tag des Taucherschrecks.

Doch blieb dir dieses Aug auf blauem Grund
Wo Schweigen Schweigen nah ein schmaler Sund,
Und lieb war dir im feinen Schlick Gesuhl,
Wo alles dich verließ, was streng und wund.


II

Sie steht bei Tage schwarz und weiß bei Nacht
Am Hiel und sie bewegt sich nicht, sie wacht.
Und ihr Gewand, im Wechsel schwarz und weiß,
Hat deiner Worte nicht, noch deiner Willkür acht.

Sie lockt die Buben nicht auf morsches Eis,
Sie gibt den Schwimmer keinem Strudel preis,
Kein Schloß, das sie dem armen Mann verspricht,
Kein Hunger, den sie stillt mit Trank und Speis.

Ob ihr Gewand von Seide sei, ob schlicht,
Man wagt sie kaum zu sehn, zu denken nicht,
Sie wartet, doch worauf? in weiß, in schwarz
Sind Gram und Liebe eins im Angesicht.

Ihr Dasein ein Geheimnis birgt, sie wahrts
In einer Geste von erstarrtem Harz,
Ob sich ihr Schicksal je entscheid und ründ,
Vergaßen Quell und Wasserspiegels Quarz.

Ob hier die Kunigund von Orlamünd
Als Schatten ihrer Kindermorde stünd?
Doch trät auch der Geliebte in den Kreis,
Daß er Vergebung und Erlösung künd,

Sie achtete kein Schwert voll Blut und Schweiß
Und nicht das Lied, das sie verwunschen, leis,
Auch nicht den Fall der Hohenzollern-Macht,
Denn sie besteht allein in Schwarz und Weiß.