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Aus »Der Seerosenritter«. Gedichte 1990, Vers 3561 bis 3600

ZUEIGNUNG


Laß dich für eine ungewisse Frist
Vergessen machen, daß die Dichter lügen,
Und finde, so wie Kinder tun, Genügen
Im Wortspiel, dem der Tag abhanden ist.

Es ist ein Traum, der Liebe birgt und Haß,
Frag nicht, ob wir in andere erwachen,
Ob Weinen wirklich sei, ob Lust, ob Lachen,
Und ob es lohne, ob es schade, laß

Dich, bis das Leuchten deiner Stirn erlischt,
Der Zeit, die mit Verweilen kargt, entführen,
Und uns versteckspieln – ob wir ihn erspüren,
Der uns die Lose wirft und wieder mischt?

Ach nimm, was ich dir bring und geben will,
Als sei es mehr, als Masken uns versprechen,
Und dürfe nicht des Tages Argwohn brechen,
Wie Blumen, die im hohen Grase still.

Zu ernten geh ich, was ich nicht gesät,
Und zügellos ist es, sich hinzugeben
Dem Gaukler, der die Flügel spreizt, zu schweben
Im Mittagslicht, das uns so rasch verrät.

Mag sein, daß, was sich ausspricht, schon verweht,
Die Ernte überdauert nur das Brache,
Das Glück hat kein Gedicht und keine Sprache,
Und immer nur die Klage ist beredt.

Nicht bring ich, was die Hoffnung bang erbat,
Ich bin in manchen Garten eingebrochen
Und wußte, hättest du den Duft gerochen,
Du hättest nicht gebilligt, was ich tat.

Nicht was mir mit dem Sommer sanft entglitt,
Was mein, ist allen Jahreszeiten früher,
Und böse Räusche bergen diese Blüher
Der Unschuld, die sie morgen schon zertritt.

Wie kann ich töten, was mir so verwandt,
Der Laune, die dich führen mag, verfallen,
Du hältst, was mir erhalten blieb von allen,
Weiß und zerreißbar leicht in deiner Hand.

Mag sein, auch dieses letzte Blatt verfällt,
Das Wort verblaßt und alle Dichter lügen,
Vielleicht ging dein Befehl, es so zu fügen
Im Traum, der jeden andern Blick verstellt.