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Aus »Winterlandliebe«. Gedichte 2016, Vers 44052 bis 44095

EIN WINTERMÄRCHEN


I

Im Winterlande bist du aufgewachsen,
Vertraut mit dem Gebirg im Eisgewande,
Du lerntest, deine Schneeschuh einzuwachsen
Im Winterlande.

Ein großer Schlitten trug die ganze Bande
Zu Tal, und mancher brach sich da die Hacksen,
Wo steil der Hang und königlich die Gande.

Du mochtest keine Karies-Prophylaxen,
Dafür den Mohn und Honigtau im Schmande,
Und strittest dich mit Moritzen und Maxen
Im Winterlande.


II

Ein Wintermärchen dir der Dichter streute
Ins Feld, wo schönste Hoffnung hebt die Ährchen,
Und jedes Ofens Holzgeknack erneute
Ein Wintermärchen.

Es ward erzählt in Krieg und Friedensjährchen
Vom Fischer, der die Boote gut vertäute,
Und auch im Heu von einem Liebespärchen.

Kein Pferd, das wegen solchem Dichten scheute,
Auch sahs die Kirche höchstens als Gefährchen,
Und niemand kennt den Deutschen, den gereute
Ein Wintermärchen.


III

Im Winterlande liegt das Reich der Sachsen,
Und jede Au ist eine Mark am Rande,
Die Fremden dürften Hirt und Herde taxen
Im Winterlande.

Du fragst dich oft: wie kam es wohl zustande,
Daß alle gehen wie zu Schüler-Stracksen,
Bedroht an einem unsichtbaren Brande?

Die Erde hat gewiß verschiedne Achsen,
Und die der Deutschen lautet Schmach und Schande,
Drum bleiben ungestraft nicht deine Faxen
Im Winterlande.


IV

Ein Wintermärchen schon das Kind erfreute,
Bevor man schnitt die ersten goldnen Härchen,
Wo deutsch der Laut, erzählen alle Leute
Ein Wintermärchen.

Oft gehts von Liebelei und Liebeszährchen,
Doch manchmal macht von Wolfsheim auch die Meute
Die Nachtigallen stumm und auch die Lerchen.

Diese alles krönt die Schuld, die eingebleute,
Der Kehrreim, uns noch fester einzupferchen,
Und also bleibt, was wir erleben heute
Ein Wintermärchen.