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Aus »Winterlandliebe«. Gedichte 2016, Vers 44004 bis 44051

JÄNNER


Wenn Wölfe Ranzzeit haben,
Der Schneesturm heult und faucht,
Erzählen dir die Raben,
Was kommt und was verbraucht,
Wenn Steinbocks Firngeflimmer
Empfängt die Wassermänner,
Umspinnt dich das Gewimmer,
Geboren einst im Jänner.

Das Land im Schlaf, im Warten –
Ists nicht auch sommers so?
Wer mischt die Königskarten?
Wer legt sie aus, daß froh
Der Sprenger unsrer Bande
Sich naht im Sechzehnspänner?
Es ist im Winterlande
Seit hundert Jahren Jänner.

Es ist die Zeit der Lasten,
Des Dachs Bewährungsprob,
Ob heute auch das Hasten
Zu jeder Jahrzeit tob,
Die Agnessonne blinzelt
Wie Ötzi einst am Brenner,
Die Himmel zugepinselt
Sind hart wie Eis im Jänner.

Er hüllt wie eine Grotte,
Wo schwächliches Geschatt
Dich abschirmt von dem Gotte,
Der dies ersonnen hat,
Zu prüfen die Frivolen,
Die Flüchter und die Flenner,
Die Humpelnden im Hohlen,
Die Japsenden im Jänner.

Tränk einen Scheit im Öle
Und laß die Lohe ein!
Die Schatten in der Höhle
Solln Ruf und Jubel sein.
So sei beim Abendmahle
Der Wehrkirch Sinn-Erkenner,
Daß sich beleb das Fahle
Und Lichtmeß folg dem Jänner.

Doch freilich, deine Stunde
Kam nicht, dein Volk, gestutzt,
Geht lieber taub zugrunde,
Als es die Ohren nutzt,
Drum sag zu seiner Schande,
Der Reim bringts auf den Nenner:
Es ist im Winterlande
Seit hundert Jahren Jänner.