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Aus »Winterlandliebe«. Gedichte 2016, Vers 44346 bis 44380

UDESTEDT


I

Im flachen Land reiht Bauer sich an Bauer,
Hier leuchtet keine Schrift an dunkler Wand,
Am Sonntag gehn die Uhren ungenauer
Im flachen Land.

Aus den Sandalen rieseln Lehm und Sand,
Doch lange war der Himmel kein so blauer,
Du denkst an Claudius und das blaue Band.

Wie Malz und Hopfen rufen her den Brauer,
So trägt das Schlichte den verborgnen Stand.
Den Fremden macht das Fragen auch nicht schlauer
Im flachen Land.


II

Im flachen Land sind Klapperer und Klauer
So selten, daß sie beinah unbekannt,
Und wärst du fremd, wärs dir im Magen flauer
Im flachen Land.

Jedoch den Sohn, der heim nach Jahren fand,
Beseligt Brot, es ward die Milch nicht sauer,
Und selbst das Gänseschnattern klingt verwandt.

Mag sein, auch dieser Tag ist nicht von Dauer,
Jedoch der Zwist, der mit dem Winter schwand,
Fand keinen Grashalm zu versteckter Lauer
Im flachen Land.


III

Im flachen Land sind Münder meistens Kauer,
Hier wird kein Reim in Bronze eingebrannt,
Und keiner hält sein Schmalz für Gassenhauer
Im flachen Land.

Auf Karten wird der Flecken kaum genannt,
Doch andern Karten nach der Zeitenmauer
Sind heute rot und dick gemalte Tand.

Allein das Wort verfällt nicht dem Ergrauer,
Verborgne Warten ruhn in Gottes Hand:
In solchen aber singt der Vogelschauer
Im flachen Land.