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Aus »Winterlandliebe«. Gedichte 2016, Vers 44381 bis 44492

HUFHAUS HARZHÖHE


Wir folgten masurischem Wandern,
Als jäh unsre Heiterkeit schwand,
Von einem Moment auf den andern
Ein Hausherr für recht es befand,
Verträgen und Sitte zu spotten,
Sei besser als kleinstes Indiz,
Er dulde Verharmloser-Rotten
Und sei der Partei nicht Miliz.

Er setzte die Dichter und Hörer,
Zur Dämmerstund barsch vor die Tür,
Denn solche sind immer die Störer,
Wenn jemand sie ansieht dafür.
Das durfte uns wenig bestürzen,
Denn schließlich ists Teufels Beruf,
Zur Einsicht den Weg zu verkürzen,
Das Ziel sei das Haus mit dem Huf.

Querelen, die heutig und hiesig,
Verschmäht als banal jeder Reim,
Doch lud uns der Bann paradiesisch
Vom Zweckbau ins waldige Heim
Mit Ziegen und Pferden, der Brocken
Sah huldvoll herab auf die Schar,
Und keinem das Auge blieb trocken,
Der neu auf der Harzhöhe war.

Der Roßtrapp-Gesang, damit Schilling
Den Tag beschließt, wirkt als Gesicht,
Der Hörort als Wortgeber-Zwilling,
Der Mythos die Gegenwart spricht.
Auch hier ist ein Huf eingeschlagen,
Gewaltig nach wild-wirrem Ritt,
Wir selber sind Täter der Sagen,
Die Ahnen ziehn stets mit uns mit.

Im Morgentau jubelt die Geige,
Wir singen der Heimat, dem Mai,
Die Sonne verspricht, daß sie steige,
Doch kalt ist der Boden dabei,
Dann schildert uns Baldig die Pfarre,
Wo welthaltig Luthertum schafft,
Daß nie der Gemeinsinn erstarre,
Noch schwinde die christliche Kraft.

Auch Lichtmesz spricht über den Glauben,
Die Not, wenn er nicht mehr gemein,
Dann treffen den Daumen die Schrauben,
Die sollten in Räder hinein,
Doch dürfen wir alle nicht zagen,
Der Teufel ist alt wie die Welt,
Doch immer, wenn Gläubige wagen,
Ein Schlachtroß bereitsteht dem Held.

Nach deftigem Mahl das Profane,
Die Stunde bestimmt im Verein,
Denn eins ist das Stehn bei der Fahne,
Auch preußische Ordnung muß sein,
So wählen wir Schühly aus Baden,
Er führe uns kaufmännisch buch,
Daß was auch bestellt und geladen,
Die Münzen nicht anderswo such.

Dann kommen mit Jahn die Balladen
Zum Vortrag mit Schrecken und Spott:
Man weiß, vor dem Spott kommt der Schaden
Und manchmal danach das Schafott.
Der Mummenschanz huldigt dem Derben
Im schaurigen Stück, in der Lieb,
Doch fällt auch das Weltall in Scherben,
Die Bühne dem Schauspieler blieb.

Bei Clemens wirds wieder mal ernster,
Der Mann der Justitia stellt klar,
Sein Nächster, nicht etwa sein Fernster,
Das Ziel seiner Fürsorge war.
Und weil das beim Biere probater,
Reimt Haubi rechts-links-hinterrücks,
Was Anjas potenzstarkem Kater
Der Jordan voraushat dem Styx.

Der Abend gehört schließlich Fausten,
Dystopisch, KI-transhuman,
Vergleichbar nicht mit dem zerzausten
Bartträger, bekannt als sein Ahn.
Doch schildert uns Baal die Berückung
Von einer naturhaften Maid
Als Stolperstein solcher Beglückung
Der Menschheit mit sinnloser Zeit.

Am Sonntag wird wieder gesungen,
Mitmaunzt eine nachtschwarze Katz,
Und dann zeigt uns Rothe gelungen,
Was heute solln Syntax und Satz,
Gepriesen wird das Überfliegen
Von Text zum Strukturdiagramm,
Denn schließlich kann drinnen nichts liegen
Als immer dasselbe Tamtam.

Daß Poeterey ausgetrieben
Bei solcherlei Lese-Unlust,
Der Imperativ steht geschrieben:
Sei stets dir der Eile bewußt!
Doch Hennig erinnert der Zeiten,
Da Hasten und Zeitsparen feind
Gemeine warn, und die Gescheiten
Die Weisheit im Maßhalten eint.

Was Hamann als Denker für Äcker
Bereithält, zeigt wie den Koran
Er las, rezipierte, Geschmäcker
Warn damals nicht Terror und Wahn.
Ein Nachruf auf Doktor Wolf Tempel,
Der zuschaut auf sorgloser Wolk,
Beschließt unser Treffen, der Stempel
Darunter darf melden: Erfolg!

Im Hufhaus, wo zwei wir vermißten,
Die Nachricht nicht rechtzeitig fand,
Braucht keiner die Larven und Listen
Der Leugner von Volkstum und Land.
Und reicher beschenkt als erbeten,
Wir gehn und sind bald wieder da
Mit Hamann, dem Apologeten
Des H und sogar des Haha!