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Aus »Winterlandliebe«. Gedichte 2016, Vers 44225 bis 44272

WINDMÜHLENFLÜGEL


Es ist auch in unseren Tagen
Gestattet, gemessen zu stöhnen,
Doch Klugheit verlangt zu ertragen
Das Unrecht der Welt und ihr Höhnen.
Wer aufbricht, den Reif zu zerbrechen,
Dem spritzt wie aus spitzer Kanüle
Das Sprichwort vom Hauen und Stechen
Nach kreisenden Flügeln der Mühle.

Als gestrig verdammt ist die Ehre,
Verbrecherisch für sie zu sterben,
Daß einer da ficht und sich wehre,
Wird ihm seine Rente verderben.
Der Kaufmann erkläre dem Ritter
Die Tische, wo Becher und Stühle,
Sonst führen die Fahrten nur bitter
In kreisende Flügel der Mühle.

Mag sein, daß man einstmals Tyrannen
Erschlug und die Jungfraun befreite,
Doch ging diese Kindheit von dannen,
Und Scheitern ist nichts für Gescheite.
Die Einfalt vereinfacht verdächtig,
Den Narren beherrschen Gefühle,
Die Kühnheit ziehts immer nur mächtig
Zu kreisenden Flügeln der Mühle.

Doch ists eine Mär, daß die Schinder
Heut nicht mehr zu nennen, zu fassen.
Wenn darf man nicht anklagen, Kinder?
Vor wem muß die Richterschaft passen?
Wem dienen im letzten Effekte
Vertreibungen so wie Asyle?
Wem zinst, was im letzten bezweckte
Der kreisende Flügel der Mühle?

Der einstens als Ritter erkannte
Den Drachen im Kern der Maschine,
Ihn zu überwältigen brannte,
Weil sie dem Gestaltlosen diene -
Wenn nunmehr von Müllern entseelte
Metalle sich freun ihrer Kühle -
Wer meinte da, daß er verfehlte
Die kreisenden Flügel der Mühle?

Es ist auch in unseren Tagen,
Daß man sie verpfänd und verprasse!
Was hat dir der Ritter zu sagen?
Das Pferd sattle, geh und verlasse
Den Kreislauf von Fressen und Fronen!
Den Schlafsand vom Augenlid spüle!
Dann siehst du wie er als Dämonen
Auch kreisende Flügel der Mühle.