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Aus »Winterlandliebe«. Gedichte 2016, Vers 44185 bis 44224

LA MANCHA


Die Sommernacht, vom Fenster fällt das Seil...
Nun nimmermehr verweil!
Horch! Rosinante kennt den Glockenschlag.
Wo jeder Traum im Schlaf versank,
Nicht wert, das wer was wag,
Dort macht die Enge weinerlich und krank,
Dort ist der Tag nur ein Kalendertag,
Der eingefriedet stirbt am Gartenzaun,
Dein Gottvertraun
Macht munter alles, was im Schlummer lag.

Die Knaben träumen von Gefahr und Fahrt.
So ist es ihre Art.
Daß aber einer ernst mach mit der Sach
Und anleg abgelegtes Schwert,
Die Glut zum Lodern fach –
Dem mache weis, das Gute sei verkehrt,
Beugt es sich nicht dem Maß von Dorf und Dach?
Wer meint, dem Rechte fehle nur der Mut,
Wer also tut,
Der sorgt, daß nicht allein die Sonne lach.

Doch achtete der Heiland Pöbels Spott?
Amadis? Lanzelot?
Ist nicht das Unbedingte vor dem Ding?
Der Stern vor einem Lampendocht?
Daß Orpheus Nacht bezwing,
Des Totenreichs Zypressenthron befocht –
War dies nicht not, daß die Gemeinde sing
In Einfalt, so als wären Lied und Schrift
Der Pfeil, der trifft,
Eh wer das Bogenspannen hat vermocht?

Vernunft spicht, daß sich heute die Noblesse
Nicht wie bei Herakles
Im Streiter zeige, sondern im Verstand.
Wer weiß, weß Süppchen dieser würzt,
Dem ist der Reim bekannt.
Daß Mammon und sein Zauberreich gestürzt,
Denn es ist etwas faul im Vaterland,
Macht nicht Gelahrtheit, dies tun Ehr und Mut.
Drum ist es gut,
Wenn sommernachts erwacht der erste Stand.