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Aus »Weckruf und Mohn«. Gedichte 1988, Vers 3391 bis 3426

HIMMLISCHE HEIMKEHR


Wer aller Himmel Heiterkeit und Weh
Erfahren hat vom Scheitel bis zum Zeh,
Der frag die Horizonte, eh er geh,
Ob Weckruf oder Mohn am Ende steh.

Obs spät sei oder gar vielleicht erst früh?
Ob denn nicht nur ein Anfang war die Müh?
Wo es dir schien, der Abendhimmel glüh,
Die Quellen sprühn, daß rings die Aue blüh?

Kann sich der Streit, ob Fortschritt, ob Verfall,
Nur lösen durch den unbedingten Knall?
Schafft nicht das Leben selber Flut und Wall,
Den Spieler und womöglich gar den Ball?

Wer wenig ist erfahren und gereift,
Nach Weisheit in die höchsten Himmel greift,
Doch schaut, wer einhält und nicht länger schweift,
Wie sich der Trieb zu einer Knospe steift.

Der Dichter, dem Bedeutung hehr und fern,
Sucht eine Bahn, als sei er selbst ein Stern,
Doch wer zur Lebensmitte kehrt, zum Herrn,
Treibt selber Grün grad wie ein Apfelkern.

Nun steht nicht mehr die Frage, was verging
Und ob es wiederkehr im nächsten Ring,
Was leibhaft wird in Pflanze, Tier und Ding,
Hat tausend Stimmen, das sein Lied sich sing.

Doch eine einzig tuts im deutschen Laut,
Drum bist du mit der Transkription betraut,
Daß sanghaft sei, was rötet, grünt und blaut,
Hast du das Feld mit Korn und Mohn geschaut.

Und jeder Blick gebiert den nächsten Fund,
Einst war dein Herz von großer Öde wund,
Doch heute spricht sogar zur Nacht der Mund,
Der nichts mehr weiß von Neige oder Schwund.

Zwar spürst nicht jede Welle du im See,
Doch träumt und handelt, weil zuhaus seit je,
Wer aller Himmel Heiterkeit und Weh
Erfahren hat vom Scheitel bis zum Zeh.