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Aus »Weckruf und Mohn«. Gedichte 1988, Vers 3123 bis 3158

SEEROSENRITTER


Er führt auf blauem Schild gestürzten Sparrn,
Und eine Königin verwirft ihr Garn,
Aus dunklem Schlund von Schlick und Wasserfarn
Sieht er sie steil in seinen Himmel starrn.

Sie ruht, uralte Wächterin, umringt
Von Glanz, Stirnschlange Res, beschwingt
Vom Aleph, das den großen Anfang bringt
Und durch die Zeichen zu sich selber dringt.

Ihn hat ein Herbst am Weiherrand verführt,
Sein Blut das Blatt, von je geliebt, gespürt,
Und Lyraklang, von Parzenhand geführt,
Vertrieb die Flöte Pans, der Mai gebührt.

Verwunschner Wesen kund sind Speer und Roß,
Den Fahrenden verriet der Albatros,
Wo Otter spielten, Ambraduft zerfloß
Von ihm, zu dem sich keine Fahrt erschloß.

Er wird uns erst im Haus des Wassermanns,
Wenn, was im Fisch zum Wirbel wurde, ganz
Im Grunde Wurzeln schlägt und rings Gefrans
Der Wedel deckt der Sporen Spiel und Tanz.

Jedoch das Blei von Helm und Harnisch rinnt
Schon lang als Blut und Gallensaft, geminnt
Von Traurigkeit, die süß und schwer gewinnt
In allen, die mit Zeit gesegnet sind.

Er waltet sein im stillesten Gericht,
Er wägt, doch er verwirft das Leichte nicht.
Er ist der Schimmer, den Poseidon bricht,
Der Wellen Reim, darin die Natter spricht.

Noch liegt sein Stern von andrer Welt verdeckt,
Noch schweigt die Stunde, die sein Haupt erweckt,
Doch wenn die Häfen sein Gebieter schreckt,
Zerreißt der Horizont, der ihn versteckt.

Ob wir vergeblich seinem Kommen harrn,
Den längst Titanen im Gebirg verscharrn?
Er führt auf blauem Schild gestürzten Sparrn,
Und eine Königin verwirft ihr Garn.