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Aus »Weckruf und Mohn«. Gedichte 1988, Vers 2721 bis 2756

EISENACH


Die Herbste träumen ihren Nachmittag
Der Burg, die rot und voll Verheißung lag,
Von Wall und Sims, wo einst die Fahne stak,
Fliegt Garn ins Tal wie eine Stimme: sag,

Wo hast der langen Sommer du gelacht,
Gespielt, geweint und Namen ausgedacht,
Wo warst du hoch zu Mut die letzte Nacht
Und hast der Schlange deinen Gruß gebracht?

Die Knaben singen vor dem Abendmahl
Der Jungfrau und von des Erlösers Qual,
Und einer reicht, versehrt von seltner Wahl
Der Ahndung Weinbergs goldenen Pokal.

Nicht jedes Tier steht wohl erforscht im Brehm,
Manch einem ist allein der Traum genehm,
Die Spuren, frisch in Unterholz und Lehm,
Verraten dir das Hörsel-Diadem.

Dies ist der Tag, den Pantherpilz zu schauen,
Als Weiser seiner braunen Glut zu traun,
Und wo man einst nach Erz grub und Alaun,
Wird Klingsor dir die goldne Brücke baun.

Und Schlangen, von Verrat gesteifte, falln
Ins Hirn, das sie mit weitrem Gift bestalln,
Bis sich das Auge zwängt und Finger kralln,
Die Zungen im Gekreisch der Hexen lalln.

Aus Grotten, die des Drachen Brut behaust,
Dampf Lustgeächz, von Peitschenknall durchsaust,
Mischwesen metzeln, wem die Messe graust,
Die Satan liest, hundsköpfig und verlaust.

Der Spuk zerrinnt beim ersten Hahnenschrei,
Du bist gelöst und fühlst dich doch nicht frei,
Denn im Tumult von Tanz und Tollerei
Zerstob, was du gesucht, zu Blut und Schrei.

Ein Garn zerreißt und flattert weit im Hag
Des Hörselbergs, der sich nicht öffnen mag,
Die Herbste träumen ihren Nachmittag
Der Burg, die rot und voll Verheißung lag.