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Aus »Weckruf und Mohn«. Gedichte 1988, Vers 2587 bis 2622

INKARNATION


Der hohe Mittag war und wölbte um
Sein Reich die Pfade, die ich wählte, krumm,
Die Fluren brannten hell und jedes Trumm
Betrog mich wie das Lied im Windgesumm.

Sie flossen unbemannt und unbeweibt
Im Ozean, der die Geschichte schreibt,
Und litten, Wrack, das im Geeinten treibt,
Geduld, daß sich die Traurigkeit verleibt.

Das Dunkle war wie ein Umarmen hier,
Als schliefe Gott in dem vergrabnen Tier,
Sanft steigend wie im Himmelshof der Stier
Den Krieg verhieß: Verrat und nackte Gier.

Da wußte ich das Licht in höchster Pracht
Vereint mit Blindheit und mit Mitternacht,
Der Auen mürben Flüsterton bewacht
Vom großen Sterben der verlornen Schlacht.

Ein Engel schritt mit schwerelosem Fuß
Und rührte nicht, was Asche war und Rus,
Ich starrte stumpf und brachte keinen Gruß
In seiner Sende stumme Geste: Tu’s!

Ich sah der Augen Zärtlichkeit verbrämt
Mit Schleiern seltner Bürde, fast verschämt,
Am Abgrund, der die großen Vögel lähmt,
Die Täter stürzt und alle Taten zähmt.

Und mein Gesicht entfloh berührter Not
In eigner Höhlen Dunkelheit, so rot
Wie Rosenkelche, ganz in sich verloht,
Zum Skarabäus, und er sprach vom Tod.

Ich spürte, wie mich seine Huld umwarb,
Die tiefen Ströme, klar und veilchenfarb,
Und wußte jäh, daß ich schon lange starb,
Und schrie die Furcht, die alle Fahrt verdarb.

Der Engel schwand, und alles kehrte zum
Vertrauten Trug, darin die Himmel stumm,
Der hohe Mittag war und wölbte um
Sein Reich die Pfade, die ich wählte, krumm.