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Aus »Unstrutleuchten. Erstes Buch«. Gedichte 2014, Vers 43823 bis 43862

HELMSDORF


Wehrkirche mit gedrungner Warte,
Romanik mit barockem Schwung,
Durch dicker Mauern schlanke Scharte
Dringt auch am Mittag Dämmerung.

Ist dieses Haus für Paul und Peter
Zu schummrig oder gar zu breit?
Dies fragen Klafter nicht und Meter,
Doch fünfundsiebzig Jahre Zeit.

Im Jahre neunzehndreiunddreißig,
Das mancher hält für heidnisch toll,
War unser Volk so kirchgangfleißig,
Daß das ererbte Haus zu voll.

Ein Dörfler, der auf fremder Erde
Zu Wohlstand fand, die Not begriff,
Für der Apostel größre Herde
Gab er ein größres Seitenschiff.

Nach dieser Tat für die Gemeinde,
Bleibt der Chronist verdächtig still,
Doch jeder Stein weiß hier vom Feinde
Und was der ganz beharrlich will.

An Neurern fehlt es nie und Gründern,
Drum fällt die alte Liturgie,
Nun schaut der Priester zu den Sündern,
Denn Gott, der antwortet ja nie.

Das Kniegestühl kriegt Polsterdecke,
Bequem ist aller Dinge Maß,
Die Glocke schwingt nicht mehr ein Recke,
Elektrisch wird das Stundenglas.

Bei solchem Fortschritt wird verständlich,
Daß Umbau wird zum Regelwerk,
Die Menschenwünsche sind unendlich,
Allein der Glaube wird zum Zwerg.

Das kann die Technik nicht verstören,
Ihr ist das Vakuum vertraut,
Und will die Botschaft keiner hören,
Wird eben alles kleingebaut.

Das ganze Bistum ist begeistert.
Verkleinert scheint die Kirche voll!
Wer solches Kunststück hat gemeistert,
Den findet selbst der Teufel toll.