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Aus »Unstrutleuchten. Erstes Buch«. Gedichte 2014, Vers 43759 bis 43806

ORGELMÜHLE


Für Wind brauchts einen Mühlenbock,
Für Wasser Schöpfrad, Graben, Wehr.
Was diesen Namen so barock
Gemacht hat, weiß hier keiner mehr.
Schon hundert Jahr die Wasser hier
Forellen mästen, die man brät,
Da braucht man keine Orgelzier
Und Reste nicht vom Mahl-Gerät.

Ganz nahebei die Große Mühl
Die lief noch, bis der Westen kam,
Daß sie das Unstrutwasser spühl,
Recht langen Weg der Graben nahm.
Wer die verlaßnen Reste schaut,
Staunt ob der Müh, die planvoll schuf,
Und meint zu hörn die Müllersbraut
Und ihren liebestrunknen Ruf.

Du wanderst froh durch Dingelstädt,
Gerichtsplatz erst, dann Markt und Amt,
Die Schaulust glatt vergessen hätt,
Woher auch dieser Reichtum stammt.
Die Wüstung ist ein altes Wort,
Ein Flecken macht die Dörfer platt,
Und er bebaut zum größern Ort,
Was andern er genommen hat.

Nicht erst die Metropole schlingt,
Was Hufe, Weiler, Einöd war,
Das Dinggesind auch selber dingt,
Und manches Trum mit Haut und Haar.
Die Chronik sieben Dörfer nennt,
Die ums Gericht versammelt einst.
Fragst du, was keine Karte nennt,
Bleibt rätselhaft, was du wohl meinst.

Drum, wenn ein Name ohne Sinn
Dir leuchtet, halt ihn heilig dir,
Denn angedeutet wird darin,
Das wahre Reich sei nicht von hier.
Wo immer conservare setzt
Zäsur, ein Strohhalm ists im Fluß,
Geheilt ward nie was unverletzt,
Das Leiden ist der Weisheit Kuß.

Mag alles, was besteht, vergehn,
Das letzte Flämmchen vor der Nacht,
Das oftmals darf viel länger wehn,
Es ist aus Laut und Klang gemacht:
Der Name, der vom Murmeln stammt
Und den du achtungslos zerstörst.
Doch wo das Wehr ins Naß gerammt,
Kann sein, daß du es orgeln hörst.