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Aus »Die alte Linde. Zweites Buch«. Gedichte 2013, Vers 41448 bis 41492

LINDENFAHRT


Wer seiner Mitte sicher lebt,
Wird faul daraum nicht oder steif,
Nicht Geist, der ungebunden schwebt,
Die Dinge zum Gesang erhebt,
Und eben kein Kometenschweif.

Wer winternachts den Ofen mag,
Die Traulichkeit, die wäscht und kocht,
Der stellt bewußter sich dem Tag,
Ihm enden Lobgesang und Klag
Nicht wenn im Wachs erlischt der Docht.

Er wandert manchem Hügel zu
Und weiß, den Sänger ruft die Welt,
Doch weil im Herzen goldne Ruh,
Enttäuscht ihn dort kein Wir und Du,
Wenn sich Vertraulichkeit gesellt.

So ist das End der Odyssee
Ihm nicht das Ende aller Fahrt,
Doch seine Spuren durch den Schnee
Sind niemals das gehetzte Reh
Noch die von einer Raubtierart.

Ihn lädt das Buch der Schöpfung ein
In manchen Gau und manche Not,
Ob Quelle, Feld, verschloßner Schrein,
Er will für alles Stimme sein,
Was Gottes großer Garten bot.

Die Linde, die gewaltig baut,
Begreift er nicht in einem Baum,
Gar viel Geschlechter angeschaut
Hat manche, und das Ohr vertraut
Vorm Menschenwerk dem grünen Traum.

Man sagt, gelindet wär genug,
Wenn sich ein Buch mit Versen füllt,
Doch wäre es ein arger Trug,
Daß längst man alle Fragen frug,
Zu denen sich da Antwort hüllt.

Gäbs tausend Lindenbücher schon,
Wär angedeutet nur die Kraft,
Die sich als Weckruf oder Mohn
Verströmt in einem Finderlohn
Und einem Werke, das geschafft.

Drum wärs des Dichters höchster Fried,
Wenn er den Samen ausgestreut
Und bald im ganzen Land geschieht
Die Werkelei am Lindenlied
Für den Gesang in höchster Freud.