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Aus »Die alte Linde. Zweites Buch«. Gedichte 2013, Vers 41493 bis 41532

VOR UNSERM HAUS


Die Linde, die ich täglich schau,
Ist grad mal fünfzig Jahre alt,
Doch wuchs sie weit ins Himmelsblau
Und ist von fürstlicher Gestalt,
Sie streut sich aus, am Mauerrand
Die Kinder hoch zwei Klafter schon,
Sie macht mir also stets bekannt,
Daß ich schon bald im Walde wohn.

Die Jungen grab ich sorgsam aus,
Daß der Entfaltung reicht der Raum,
Schon wieder sich begrünt das Haus,
Gelang mir die Verpflanzung kaum,
So reicht bald nicht der eigne Grund,
Die Kinder müssen aus dem Stall,
Dann steht der Baum der Schläferstund
Bald hie und da und überall.

Wenn ich im Herbste grab und gieß,
Im Sommer bin ich auf der Fahrt,
Und schon im deutschen Norden stieß
Auf Linden ich besondrer Art,
Nun kriegt der Süden auch sein Buch
Von Riesen, drin die Vorwelt lebt,
Wer also dick, daß ich ihn such,
Der wird ins Album eingeklebt.

Es ist ein Ziel Poeterey,
Daß sie die Welt uns neu erschaff,
Daß irgendwo ein Wunder sei,
Macht Pegasos die Zügel straff,
Die Linde ist so alt und jung,
Daß ich den zweiten Aufbruch wag,
Und zeigt sich mir die Dämmerung,
Weiß ich das Gold im späten Tag.

Die Linde, die ich spät erkannt,
Sie wuchs, als ich in Windeln schrie,
Ich war in manchem fremden Land,
Doch sie verließ die Heimat nie.
Was ich erfahr an Lindentreu,
Gehör der einen, die mich trägt,
Ob andere dieses auch erfreu,
Der Dichter erst als zweites frägt.