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Aus »Die alte Linde. Zweites Buch«. Gedichte 2013, Vers 41404 bis 41447

DREI LINDEN


I

Drei Linden waren Weiser mir im Leben
Mit Namen Träumen, Fortgehn, Wiederfinden,
Drum ist es Zeit, ins Versmaß zu erheben
Drei Linden.

Sie tragen Kreuze in bemoosten Rinden
Der Liebe – könnts Verschiedeneres geben?
Nicht jede Liebe taugt, um sich zu binden.

Die Falken sah ich, die im Blau entschwinden,
Die Schmetterlinge und den Geist der Reben.
Jedoch mein Erbgut sein den Musenkinden
Drei Linden.


II

Die erste Linde gab dem Schulweg Pause,
Eh noch ich lief durch Deutschland viele Werste,
Es schirmte vor dem Bergaufstieg nach Hause
Die erste.

Ich liebte Bäume, doch ich kor zum Herste
Die Körnerlinde, wo ich noch als Flause
Bedachte, wie die Fremdherrschaft zerberste.

Es ging die Zeit, daß Wind die Krone zause,
Auch Körner drischt man nicht mehr aus der Gerste,
Es fällten, die uns gönnen keine Klause,
Die erste.


III

Die zweite grüßte manche Male Goethen,
Sie zeigt im Ilmen-Garten ihre Breite,
Es bleibt ein Ort, wo sich die Wangen röten,
Die zweite.

Der Gärtner wußte wohl, wie er sie leite,
Die Zwillingslinde Lust versprach in Nöten
Und sehr viel Irrtum im Gefahrenstreite.

Ich ging bald fort, mein junges Herz zu töten,
Doch immer wenn der Mai an meiner Seite
Ermahnte mich im Nachtigallen-Flöten
Die zweite.


IV

Die dritte ließ mich wurzeln, stehn und reifen,
Zu meiner Taufkirch nur ein Weilchen Schritte,
Es wuchs, die fremden Krusten abzustreifen,
Die dritte.

Heut sitzt darunter meine Lebensmitte
Mit Bünting-Tee und Trichterwinden-Schleifen
Und söhnt mich aus mit Tradition und Sitte.

Erst ihre Lieb ließ auch mein Lied begreifen,
Daß nur der Herr versteht die Herzensbitte,
Drum läßt auch keinen falschen Vogel pfeifen
Die dritte.