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Aus »Die alte Linde. Zweites Buch«. Gedichte 2013, Vers 41928 bis 41972

SIEBEN LINDEN


Schenkt dir Gott ein Knäbelein
Oder rosig eine Maid,
Mög es dir ein Herzwunsch sein,
Grab ein Lindenbäumchen ein,
Daß Gemeinschaft sei der Zeit.

Dieser Baum wird nicht nur alt,
Auch so manche frühe Not
Kann nicht brechen die Gestalt,
Die gedeiht, sobald ihr Halt
Eine feuchte Erde bot.

Nicht nur Dauer und Bestand
Gelte hier dein Augenmerk,
Nichts so eigen wächst im Land,
Keines solche Vielfalt fand
Wie der Linde Astgewerk.

Lehrt sie nicht Persönlichkeit
Uns als Frucht des festen Stands?
Dehnt sie nicht den Schatten weit,
Weil sie umgehn kann mit Leid
Und nicht müde wird des Lands?

Hier der Gutsherr Bonikau
Pflanze treulich jedem Kind.
Sieben Linden in der Au,
Steinigtwolmsdorf weiß genau,
Daß sein Erbe grün und lind.

Alle hohl und formskurril,
Wind schuf Male, Wölbung, Knick,
Angesichter, Linienspiel,
Fabeln, die erzähln so viel,
Knorrige mit Überblick.

Ob sie tragen für das Kind,
Ist vielleicht nur eine Mär.
Doch ihr Stehn im harten Wind
Raunt uns, daß wir Wurzler sind,
Daß die Erde uns gebär.

Wem ein Lindenbaum gepflanzt,
Wird der Heimat nicht enterbt,
Wenn das Lebenskleid zerfranst,
Unterm Baum ein Fremder tanzt,
Fremde Schrift die Rinde kerbt.

Denn der Bund ins Licht zu gehn,
Überlebt uns mit dem Baum,
Mögen fremde Fahnen wehn,
Sei kein Laut mehr zu verstehn,
Dies Beharrn ist nicht nur Traum.