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Aus »Die alte Linde. Erstes Buch«. Gedichte 2012, Vers 41142 bis 41189

BONIFATIUS-LINDE


Zwölfhundertfünfzig Lenze
Die Linde hat gesehn,
Vor hundert lag die Grenze,
Da Niedergang geschehn,
Erst brach der Stamm zu dreien,
Dann auf das Kirchendach,
Doch immer noch in Maien
Wird ihre Blüte wach.

Im Wurzelstock der Mitte
Ists schwarz und humusreich,
Dort grad mit Kuckuck-Sitte
Wächst unverzagt ein Eich,
Zwar ist der Fremdling schmächtig,
Doch auch Methusalem
Und guten Grunds verdächtig,
Daß er das Wachstum hemm.

Das freilich ist kein Makel,
Verlangsamts den Äon,
So kam auch das Debakel
Gemach wie dunkler Mohn,
Wer anschaut nur die Stürze,
Weiß nicht wie sich im Saft
Der Lebensmut verkürze
Und sich verdünnt die Kraft.

Wir sehen nur die Kleider
Und kleben so am Tüll,
Dahinter steht der Scheider
Und werkt mit Chlorophyll,
Und was uns das Gesunde,
Das die Gesetze ehrt,
Ist oft das Moribunde,
Das sich verzweifelt wehrt.

Man sehe allegorisch
Den Eich als Luthers Streit,
Und daraus folgt notorisch:
Er gab der Kirche Zeit.
Doch freilich seiner Stunde
Der Baum allein entgeht,
Der aussät in die Runde
Und als Geschlecht besteht.

Kam Bonifatius wandernd
Zu Chatten in das Tal,
Geh heute du mäandernd
Durch Schrecken tausendmal,
Und lieb dabei den Sünder,
Wie du die Sünde haßt,
Dann wirst auch du zum Gründer,
Der dicke Äste faßt.