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Aus »Die alte Linde. Erstes Buch«. Gedichte 2012, Vers 41190 bis 41229

DREHWUCHSLINDE


Sub tilia (unterm Lindenblatt)
Schuf uns die Eigenschaft subtil,
Was das Erhabne Heikles hat,
Zeigt knifflig sich als Könner-Spiel,
So sonnenhaft und jugendweich,
Spitzfindig auch sind Linden nur,
Und wenn uns jemand jüngt das Reich,
Dann nur die lindige Natur.

Was uns Gut Schönberg offenbart
Ist freilich nicht der Lindenbrauch,
Der Ast und der Bemoosungsbart,
Sie winden sich um Brust und Bauch,
Spiralig wuchs die Träumerin,
Wie sonst nur manche Obster tun,
Als wohn extrem verlangsamt drin,
Der milde Bruder des Taifun.

Sie bohrt sich in den Boden ein
Und sprengt mit diesem Hebelruck
Vielleicht das härteste Gestein,
Das nachgibt keinem bloßen Druck,
Der Grund mag auch ein andrer sein,
Daß sie so artfremd aufgestellt,
Ich füge dieses Beispiel ein,
Daß eine weitre Form gefällt.

Subtil, ja extraordinär
Kommt immerfort die Linde vor,
Als ob die Zeit verlangsamt wär,
Umheimelt dich das Laubichttor,
Und jede Blüte sagt dir an,
Daß dieses Holz, so alt es ward,
Den frischen Schößling treiben kann,
Wie keiner sonst in dieser Art.

So ist die Jugend ewiglich
Nicht Mythos nur und Dichterwort,
Sie schaut dich und umlindet dich
Und goldet ihren Schattenhort,
Und sagt, daß Phantasie nichts hofft,
Was Gott allein nicht längst getan,
Der jeden Traum der Welt verstofft,
Bis wir genug der Wunder sahn.