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Aus »Die alte Linde. Erstes Buch«. Gedichte 2012, Vers 40856 bis 40903

BOSLECHLINDE


Der Würfel, der im Wirtshaus rollt,
Ein ältres Vorbild hat im Frein,
Hier legt sich flach, was aufgestollt,
Fegt wie ein Heer die Kugel rein.
Die Kirche stets das Kriegsglück pönt,
Auch wenn dabei man Humpen hub,
Doch was dem Mann den Sonntag schönt,
Heißt Doppelbock und Bosselschub.

Wo nichts zu merzen, mildert Bann,
Zwar Bosselarbeit gibts genug,
Auch wer sonst recht Gescheites kann,
Braucht ab und an den milden Trug.
So setzt man Ort und setzt man Zeit,
Wie man dem Kind verpaßt den Latz,
Und eh die Lust nach Ärgerm schreit,
Der Boßler kriegt den Bosselplatz.

Die Linde, ja, sie leidet viel,
Was Männer tun an Kindereien.
Warum nicht auch das Bosselspiel?
Das Falln wird ja nicht blutig sein.
Zu Schaumburg Graben, Wall und Tor
Uns künden noch vom alten Reich,
Und eine Linde grünt davor
Als Schirmerin dem Bosselleich.

Zu Boslech ward das Wort verknappt,
Daß hier das Laster nicht zu klar,
Hier ward auch manches Haupt gekappt,
Weils anderntags ein Richtplatz war,
Die Sage eine Dirne nennt,
Die hier ein Lindenreis vergrub,
Sie rief: Daß ihr die Unschuld kennt!
Obs war noch vor dem Bosselschub?

Auch kam hier mal ein Paar zur Eh,
Das ragt heraus, doch meistens rollts,
Und was dem Spieler Glück und Weh,
War damals noch aus Lindenholz,
Noch war das Drumherum nicht weg,
Daß ein Kristall verteilt den Schatz,
Noch hieß der Teufel Nick und Neck
Und purzelte am Bosselplatz.

Nun ist die Lindenkrone klein,
Denn Sicherheit heißt heut die Götz,
Zum Bosseln findt sich keiner ein,
Zum Glück brauchts nicht mehr grobe Klötz.
Die heut zum Automaten gehn,
Sind einsam ohne Lind und Eich
Und können nicht das Wort verstehn,
Das Lasterwort vom Bosselleich.