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Aus »Schnitterfest«. Gedichte 2011, Vers 39279 bis 39350

OSTERFEUER


Seitdem die Brauchtumspflege
Behördlich uns erbaut,
Sind seltsam ihre Wege
Und gleichwohl sehr vertraut,
Wo einst ein Abenteuer,
Steht heute ein Etat,
Der Igel von der Steuer
Ist lang vorm Hasen da.

In fernen Kindertagen
Die Buben suchten Holz,
Des Reiserturmes Ragen
Ward schon den Kleinsten Stolz,
Die Großen warn erfahren,
Wie man die Scheite schicht,
Daß keinen Span zu sparen,
Daraus die Lohe bricht.

Denn wie ein Dachstuhl sollte,
An Hohle reich und Halt,
Das Drum- und Draufgerollte,
Was sich zum Zelte ballt,
Den Blitz im Herzen tragen,
Eh es dem Himmel flaggt,
Der Rücken, nicht der Magen,
Sei darum vollgepackt.

Die Lehre war begreiflich,
Wo Augen glühn und Mut,
Man übte früh und reiflich,
Und trieb die Tat mit Blut,
Wenn aber nun Bezahlte
Sich mühn um Gunst und Lohn,
So ist der Turm, der strahlte,
Verfahlt im Herzen schon.

Hingegen die Gazetten
Wie Metzger preisen an,
Die Osterfeuer hätten
Das Zeug zum Himmelsbann,
Und rings die Leute reisen
Mit Auto an und Bus,
Weil, Ostern zu beweisen,
Das Volk dabeisein muß.

Der Vorspann ist gewaltig,
Zu sechst stehn frischlackiert
Löschwägen vielgestaltig
Verteilt um das Geviert,
Und in orangen Westen
Müht wider Profession,
Den Feuersturm zu mästen,
Wems Pflicht, daß er uns schon.

Es sind der Häufen zweie,
So groß wie noch erlaubt,
Daß jemand sing und freie,
Ein Narr alleine glaubt,
Wir frieren unter Schwaden
Der Unlust, die so müd,
Wenn hier von Amtes Gnaden
Kein Balken ächzt und glüht.

Die Teilzeit-Pyromanen
Verpumpen Gas ins Kraut,
Daraus, es war zu ahnen,
Doch keine Flamme schaut,
Da hilft auch kein Erschöpfen,
Kein Knobeln, kein Verdruß,
Wer anfangs fehlt beim Knöpfen,
Der bessert nichts am Schluß.

Daß hier ein Pickel eitert,
Sehn freilich einzig wir,
Die Schlange sich verbreitert
Beim Wurster und beim Bier,
Wer herkam zum Konsume,
Genießt den Dämmertag
Und sieht im Ostertume
Nur Eintracht und Ertrag.