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Aus »Schnitterfest«. Gedichte 2011, Vers 39246 bis 39278

ORTHOGRAPHIE


I

Eindeutig sein auf sehr subtile Weise
Braucht Stiegen, wo die Stufen heinzelklein,
Der Ruf kann nur durch willkürfreie Schneise
Eindeutig sein.

Auf die Geschichte werf den ersten Stein,
Wer ihr nicht untertan sich fruchtbar preise,
Daß Volkswitz er mit Blütenstaub verein.

Wenn freilich Selbstmord heißt das Ziel der Reise,
Und alle Deutung mißt das fettste Schwein,
Kann simples Grunzen nur für junge Greise
Eindeutig sein.


II

Das Lutherwort ist auch nach halbem Tausend
Der Sommer nicht vergessen und verdorrt,
Das Volk bewahrt, den Pelz so oft entlausend,
Das Lutherwort.

Und wie man schreibt, spinnt diese Linie fort,
Solch Niblung ist für Revoluzzer grausend,
Drum braucht die Sprache den Tyrannenmord.

Man kommt uns bei, wenn man das Fremde mausend
Es wiederholt, als seis der Sehnsuchtshort,
Und diffamiert, im Abfallkübel hausend,
Das Lutherwort.


III

Das Regelfach ist plastisch und gewogen,
Ein waldig Berg, den uns kein Planer mach,
Denn immer ist von Bachgesprüh durchzogen
Das Regelfach.

Hier bist du froh, daß dir ein Brunnen lach,
Hier sind die Störche stets zurückgeflogen,
Und wo was stirbt, wird eine Ader wach.

Solch Freisinn arg mißfällt Kanzlein und Logen,
Wo stört ein Haus, durchlöchert man das Dach,
Und darum hat der Feind des Volks betrogen
Das Regelfach.