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Aus »Schnitterfest«. Gedichte 2011, Vers 38877 bis 38924

ZIMMERLINDE


Versunken mit der Großmama
Ist auch der Sinn fürs rechte Heim,
Ob Bett, ob Spind, die Dinge da
Warn stolz auf ältrer Zeiten Reim,
Da war das Knarrn von Stufen noch
Erinnerung an Pferch und Baum,
Und wo die Eltern schliefen, roch
Man winters einen Sommertraum.

Ein Baum, der wuchs bis zu den Sparrn,
Mit herznen Blättern lindenfarb,
Sie warn so groß, sie anzustarrn,
Die Pflanze schon mit Blättern warb,
Und Kelch- und Kronblatt seidenweiß,
Umgaben goldner Büschel Blust –
Daß sie die Zimmerlinde heiß,
War schon dem Hosenmatz bewußt.

Sie kam vom Kap, von Afrika
Herein ins deutsche Nachtgemach,
Und wenn das Gießen recht geschah,
Sah sie uns viele Sünden nach,
Sie litt geringen Frost recht gut,
Sie mocht es hell, doch abgetönt,
Verderblich war ihr trockne Glut,
Darum sie das Gedämpfte schönt.

Nicht auszudenken, daß zentral
Die Heizung allen Räumen gleicht,
Versiegelt sei mit Glas und Stahl
Die Höh, die grad zum Aufstehn reicht,
Wo das Gefängnis wird zur Norm
Und sich die Technik pilzhaft mehrt,
Bei Brütern in der Kuchenform
Die Zimmerlinde nicht verkehrt.

Die Blätter, buchtig ausgezähnt,
Der dichtbehaarten Nervatur,
Vergaß, wer es von Vorteil wähnt,
Daß Ruhezeit ein Übel nur,
Und wer nur umklappt sein Gestühl,
Daß es erhalte Bettgestalt,
Der weiß kein Gran mehr vom Gefühl,
Wies warm und doch der Atem kalt.

Wenn wieder Heim und Morgen gut
Und Fremde heißt ein Natternbiß,
Weil dir die Müh, die Ofenglut
Zu schürn vertraut und selbstgewiß,
Du nichts verpaßt im Leben meinst,
Wenn bloß die Kinder sind gesund,
Dann kommt die Zimmerlinde einst
Zurück in deine Schläferstund.