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Aus »Schnitterfest«. Gedichte 2011, Vers 38852 bis 38876

VÄTERCHEN FROST


Zärtlich benennen die Russen den Herrn,
Der unser Gartenland zwingt zum Palast,
Scharf und gewienert sind Sichel und Stern,
Ahorn und Hasel stehn hoheitlich fern,
Und selbst ihr Schatten zerschneidet dich fast.

Schärfer jedoch ist die Klinge der Luft,
Die deinem Atem ein Dreschflegel scheint,
War dir November ein grimmiger Schuft,
Ist auch der Groll deines Aufruhrs verpufft,
Hat dich der Frost mit der Stille vereint.

Wehe, dich drücken noch Pflicht und Termin!
Achte den Wink, der nicht müde, doch mild
Lächelt so kalt wie ein Hauch Kokain,
Dem sich die staubigen Schemen entziehn,
Dem das Begehren als Strohfeuer gilt.

Dies ist kein Schnitter, kein flinker, der singt,
Er ist der Schlußstein im Jahr-Mosaik,
Was er aus offenen Himmeln dir bringt,
Braucht keinen Vogel, den Liebe beschwingt,
Denn alles Wollen beendet der Sieg.

Wenn auch der Ofen den Herrn nicht vertreibt,
Gibt dich das Federbett ganz dir zurück,
Nichts, daß dir Hoffnung und Zuversicht schreibt,
Nur das Gepränge, das herrschaftlich bleibt.
Aber die Dauer – sie ist doch – das Glück?