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Aus »Kursachsenspiegel«. Gedichte 2010, Vers 37455 bis 37524

BLAUENTHAL


Wer Märsche will nicht überland,
Es taglang mag mit Schau und Mahl,
Wer pflichtenmüd und ausgebrannt,
Dem werde mein Gedicht bekannt
Vom Wanderweg bei Blauenthal.

Die große Brockau läd dich ein,
Durch eine tote Holzfabrik
Dring pirschend in den Hangwald ein,
Dort soll ein großes Wunder sein
Und dir besprühen Haar und Blick.

Das Wasser stürzt von hohem Sprung,
Wenn du nicht mit den Alpen wägst,
So findst du selten Steigerung
Des Schauspiels, welches urkraft-jung
Verlacht, was du im Blute trägst.

Daß man den Fall mit Willkür schuf,
Vergiß bei seiner Schönheit Flut,
Hier war nicht taub dem ältsten Ruf,
Wer aussann Wege, Haus und Huf,
Und dem der Abend sagte: gut!

Beim Zimmersacher freilich mußt
Das Mühlrad, das die Stadt nicht braucht,
Vermissen, und der Bratenkrust
Wie auch dem kühlen Wein zur Lust
Erdgas durchs Netz der Netze faucht.

Von Holzfiguren wird flankiert
Die Rektorbrück, das Blockautal.
Dem, was im Winter niemals friert,
Gar mancher abspricht, daß es ziert,
Drum sag ich ein für allemal:

Geringe Kunst, die Einfalt setzt,
Verachtet bloß, wer impotent
Nur immerfort nach Trümpfen hetzt
Und letztlich Ideologen schätzt,
Weil sein Gebahrn er drin erkennt.

Die großen Meister fußten stets
Im volkgewachsnen Herzeleid,
Drum abhold Professorn-Gereds
Sei deinem Volk, denn also gehts
Zu Werken über Zweck und Zeit.

Bergahorn, Buche, Fichte, Tann,
Dann wird der Weg ein Schlangenwurm,
Ab Wildenthal steigts kräftig an,
Wer meint, daß er bald nicht mehr kann,
Hoff auf ein Bier am Auersturm.

Zum Ausblick reicht die Sonnenhand,
Doch Windschutz heischt den Obolus,
Das Vogtland schau, das Böhmerland,
Die Fluren rauschen urverwandt
Und wissen nichts von Überdruß.

Wenn dich der Wurzelrodi schreckt,
So wisse, dies wird hier gepflegt,
Der Mummenschanz nur Spaß bezweckt,
Die Lust, was man so ausgeheckt,
Sich leicht nicht bei dem Volke legt.

Nach Sosa zweig am Kleinen Stern,
Den Weg stört hie und da ein Schacht,
Es ist bekannt doch nah und fern,
Der Bergmann gräbt die Stollen gern,
Und mancher ist dann eingekracht.

Dann gibt der Wald dem Auge frei
Den Blick auf Wasser angestaut,
Ein Lärm sagt, daß da Sosa sei,
Dort schweigt zwar längst die Meilerei,
Doch ist das Sonntagsvolk hier laut.

Nach Blauenthal, die Sonne sinkt,
Der Zinnsteig schließlich führt zurück,
Vergoldet dir die Landschaft winkt,
Und wenn er sie in Verse bringt,
Ist Müdigkeit des Wandrers Glück.