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Aus »Kursachsenspiegel«. Gedichte 2010, Vers 37315 bis 37354

AUERBACHS KELLER


Zwar kam er aus der Oberpfalz,
Der dem Lokal den Namen gab,
Doch macht mir keinen Kloß im Hals,
Daß lang ich mich getäuscht wohl hab.

Wann immer von der Stub die Red,
Ich dachte stets ans Vogtland nur,
Drum dorthin mein Gedanke geht,
Wenn ich ins Namensgleiche fuhr.

Wie oft ein alter Stall verdreckt,
So war zur Russenzeit der Mief,
Wo Faust in dem Studenten steckt,
Ein Fall, der nach der Sitte rief.

Ich ging nie hin, obgleich ich nachts
Oft dachte, den Versuch wärs wert.
Nun mancher läßts und mancher machts,
Inzwischen ists ein stumpfes Schwert.

Hier ritt schon Faust auf einem Faß,
Eh der Geheimrat dies bereimt,
Es hat, beflügelt gut vom Naß,
Seither hier manch Student geschleimt.

Studentenkneipen sah ich viel,
Wenn auch nicht so verrufnen Ort,
Ich weiß, es ähnelt sich das Spiel,
Drum sei gewagt ein freies Wort.

An einen Fall in Leipzig denk
Ich oft, ein Neunmalkluger sprach:
Wer schätzt Novalis als Geschenk,
Weint Eichendorffen gar nichts nach.

Genie, ein Wort, das ihm gefiel,
Sah er allein im Pfeil, der fliegt,
Ein Irrweg sei ein Lebensziel,
Wo die Gesichtshaut Runzeln kriegt.

Der Jugendkult der ältern Zeit
War zwar nicht Mode und Kommerz,
Doch wars auch ihm die Heiterkeit,
Daß er gepachtet Geist und Herz.

Mephisto kommt es grade recht,
Mit derart blödem Volk zu spieln,
Daß einer sich zum Gotte dächt,
Ist Geistersatz von viel zu vieln.