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Aus »Zweifelsbachgrund«. Gedichte 2010, Vers 36001 bis 36040

GLYCERIN


Glycerin macht Säuren fett,
Bei Verseifung wird es frei,
Manchem Stinker ists ein Bett,
Daß er lind wie Butter sei.

Dreifach der Verestrung froh
Laurin, Palmitin, Capron,
Wer es nennt die Osterloh,
Sah es auch salpetrig schon.

Taucherbrillen machts wie neu,
Sprach ich listig dem Drogist,
Daß man sich der Klarheit freu,
Die Verdünnung schädlich ist.

Nun, der Mann gab mir den Stoff,
Und die Säuren rauchten dicht,
Kaum besinnend, was ich hoff,
Hielt sich das Gebräu ins Licht.

Ein paar Blasen, danach hieb
Eine Faust die Augenhöhl,
Eh ich in der Ecke blieb,
Fieln zu Boden Glas und Öl.

Weh! ich rannte Wassern hin.
Ob das Aug die Säure traf?
Ich nicht blind geworden bin,
Also hatte Glück das Schaf.

Gleichwohl war der Bluterguß
Zu verbergen keinesfalls.
Großen Jungen war Verdruß
Ich und hatte drei am Hals!

Vater dies mir glaubend dacht,
Daß es ritterlich nicht sei,
Und beizeiten Anstalt macht,
Daß man geh zur Polizei.

Dies war mit nun gar nicht recht,
Denn ich war ja selbst der Schuft,
Lange Rede vieles schwächt,
Und die Wut war dann verpufft.

Jahre drauf vom Bruderherz
Hieß es: Pulver freute ihn!
Dies war mir ein seichter Scherz,
Denn dies ist kein Glycerin.