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Aus »Zweifelsbachgrund«. Gedichte 2010, Vers 35945 bis 35980

WEINGEIST


Als man gelernt, den Traubensaft zu keltern,
Verkorkte man ihn fest in einer Flasche,
Und dies entsprach der Sorgsamkeit er Eltern,
Daß nicht der Geist dem schwerern Sud enthasche.

Der Geist des Weines eint zwei Eigenheiten,
Die man im Namen-Doppelsinn erlausche,
Zum einen, daß er flüchtig uns beizeiten,
Zum andern, daß er uns den Geist durchrausche.

Durchrauschen kann erhellen uns und trüben,
Dies ward an anderm Orte schon bedichtet,
Manchwer brauchts oft und mancher suchts in Schüben,
Nie ward der Dschungel um den Trunk gelichtet.

Durch Brennen kann den Geist die Kunst verdichten,
Dies frommt nicht nur dem feurigen Verprasser,
Es ist auch manches sonst noch zu berichten,
Denn die Substanz steht zwischen Öl und Wasser.

Daß Fett man lös und dabei nicht die Farbe,
Daß so Gelöstes Wasser nicht mehr weigert,
Man holt noch Seim aus einer trocknen Garbe
Die Süßigkeit in jeder Frucht man steigert.

Beim Destillieren fand man auch Verwandte
Des Weingeists, die auf ihre Weise brennen,
Manch Blinder weiß, das nicht zurzeit Erkannte
War Holzgeist und ein starkes Gift zu nennen.

Die Fuselöle, minder stark beflügelt,
Sie schmerzen nach dem Fest in unserm Haupte,
Doch ihre Schwere auch den Minner zügelt,
Der sich bereit zu jedem Fluge glaubte.

Der Weingeist taugt vortrefflich zum Scharniere
Den Lebensstoffen mit den Mineralen,
Er heizt und kühlt, auf daß er sich verliere,
Drum wölbt man in verschiedner Form ihm Schalen.

Wer tritt ins Reich der Horne und Balsame,
Dem ist ein Hermes dieses Geistes Leichte,
Da ist kein Wunder und kein einzger Name,
Den einer im Verzicht auf dies erreichte.