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Aus »Zweifelsbachgrund«. Gedichte 2010, Vers 35909 bis 35944

CARBID


Die Großchemie war rasch dem Paraffine,
Das aus der Erde drängt mit eignem Drucke,
Gewogner als dem Ruhrpott-Paladine,
Dems nötig, daß der Hauer tief sich ducke.

Im Weltkrieg aber lenkte auf die Kohle
Den Blick das Reich, das ringsumher bestritten,
Sie zu veredeln zum gewünschten Wohle,
Hieß Freiheit von dem Orient, da die Briten.

Vor zwanzig Jahren rauchten noch geschäftig,
Die Öfen, drin dies achtzig Jahr gelungen.
Carbid – den Einstieg wagt allein, wer kräftig
Zu zündeln weiß und Taten schätzt vor Zungen.

Wenn so viel Strom fließt, daß die beiden Pole
Ein Feuerband verbindet gleich dem Blitze,
Geschiehts, daß ohne Sauerstoff die Hohle
Den Kalk mit Kohle eint in größter Hitze.

Dem graue Pulver, das recht wenig reinlich
Von allem voll, was war im Kalkstein Plunder,
Gibt Wasser Gas, bei Überraschung peinlich,
Doch wohlbeherrscht der Anfang vieler Wunder.

Denn reaktiv und Ausgang für Synthesen,
Stehn lange Ketten offen ihm und Ringe,
Das Gas im Pulver ist ein Wandelwesen,
Das meint, daß Unabhängigkeit gelinge.

Heut freilich ist der Widerstand zerschlagen,
Gras wächst, wo einst die stolzen Öfen rauchten,
Dies schont die Kohle, die in bessern Tagen
Noch wissen wird, was wir zum Siegen brauchten.

Carbid ist ganz aus unserm Sinn verschwunden,
Die Lampen sieht man nicht mehr abends glühen,
Auch wer ein Leuchten braucht in tiefen Schrunden,
Muß Ölstrom oder pures Öl bemühen.

Zum Unfug, der Carbid weiß wohl zu nutzen,
Geb ich nicht nach Erinnerungsgefühlen,
Ich trachte, das Persönliche zu stutzen,
Denn auf gehts zu den Makromolekülen.