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Aus »Zweifelsbachgrund«. Gedichte 2010, Vers 35773 bis 35808

KOHLE


Wie jedes Tier, front auch der Mensch dem Wetter,
Und daß sein Bau nicht nur ein feuchter Stall,
Sind nötig nicht nur Steine oder Bretter,
Er braucht die Wärme für den Kältefall.

Dazu ist alles, was wir sonst erfahren,
Erst möglich, wenn die Nahrungsnot gestillt,
Das Kochen, Backen, Schmoren oder Garen
Mehrt uns die Kraft, die aus der Ernte quillt.

Die Wärme, die uns froh macht und geschäftig,
Gab uns das Feuer, das den Baum verschlingt,
Kein andrer Weg, ward je so segenskräftig,
Daß er genug für diese Notdurft bringt.

Windmühlen oder Wasserräder kreisen,
Sie mahlen, pressen, sägen unverzagt,
Doch den Versuch, sie Wärmende zu heißen,
Noch jeder als Unmöglichkeit beklagt.

Auch andre Müh, den Sonnenstrahl zu fassen,
Zu fangen ihn mit Spiegeln oder Glas,
Muß Preis und Ehre doch den Pflanzen lassen,
Denn unsre Kunst reicht nicht mal an das Gras.

Der Wachstumsfrist der Bäume nicht zu zinsen,
Gab Torf das Licht, das früher eingehaucht,
Doch eher fehlt der Knoten an den Binsen,
Als daß nicht das Gesparte einst verbraucht.

Man holte Kohle aus dem Berg, die Leichen
Der Bäume, die die Urzeit einst gefällt,
Doch nur der Narr vermeint, die würden reichen
Solange, bis das Ende kommt der Welt.

Ob frisches Holz, ob Torf, ob harte Kohle,
Das kluge Tier als Pilz am Baume hängt,
Aus welcher Tiefe man auch Brennstoff hole,
Nicht änderts, daß der Baum die Wärme schenkt.

Drum soll der Kunstsinn, welcher Kohle huldigt,
Vergessen nie: sie ist der Tod des Baums,
Nur wer sein Tun bei Ast und Zweig entschuldigt,
Darf werken mit den Ahnen ihres Traums.