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Aus »Zweifelsbachgrund«. Gedichte 2010, Vers 34707 bis 34754

QUELLE AM HANG


Sie taugt nicht zum Halten für Wägen und Karrn,
Die allzu Beflügelten ohnmächtig starrn,
Mäandern von Schotter, im Tannicht gerankt,
Dem ruhlos Bewegten sie Heimlichkeit dankt,
Wer aber sich freihält die Rad und Gefährt,
Dem ist auch der herrlichste Quell nicht verwehrt.

Wer hier sich besprudelt, der ahndet im Herz,
Wo Wasser sich freigibt, ist Aufbruch und März,
Wo Wasser im Licht, das durch Laubicht ihm blinkt,
Sich güldet, das Heil aus der Finsternis winkt,
Sind dorten auch Statthalter Fluch und Gewein,
Das Wasser wird Frühling und jungfräulich sein.

Ob Trunk oder Bad, ob nach Müh oder Fest,
Nur was sich erneuert, schafft Heimat und Nest,
Der Bronnen gibt alles, und daß er versieg,
Reicht nicht ein Jahrhundert von Teufel und Krieg,
Drum wisse, daß Gott wie am Schöpfungstag spricht,
Und nie dich verläßt bis zum Jüngsten Gericht.

Und nicht nur die Kehle, die Haut und das Haar
Verholdet und heiligt was arglos und klar,
Die Seele, versucht und vom Grame geschwächt,
Sie findet im Fließen ihr göttliches Recht,
Drum gehe getrost, ist dir düster und bang,
Auf daß sie sich schenke, zur Quelle am Hang.

Nicht faßt ihre Wonne das Salz-Mineral,
Dem Fänger, dem Horter versagt sie sich schal,
Sie ist, wie die Griechen schon sangen, beseelt
Und niemandem willig, der räuberisch fehlt,
Doch wer nicht zu faul, daß ihr Anblick sich böt,
Den grüßte sie nimmermehr trocken und spröd.

Ihr Schenken ist frei, doch Beschenkter zu sein,
Fand lang schon nur selten ein Wandrer sich ein,
Die meisten bevorzugen, was man bezahlt,
Und wundern sich bloß, daß die Seele verfahlt,
Drum künde dem Volk, das die Spende nicht juckt,
Wie sie unserm Tage die Reichtümer spuckt.

Denn allen soll frommen, was dazu gemacht,
Was Sonne zu küssen sich sammelt bei Nacht,
Was selber ein Leben ist Lebens Essenz,
Und keiner soll meinen, er wiß es und kenns,
Denn nur wer sich hingibt für heute und je,
Befreit sich vom Wegstaub aus Kummer und Weh.

Zu spät ist es nie, doch ein Narr ist wer säumt,
Von reicheren, schöneren Felsquellen träumt,
Nicht fern ist das Reich, das dich himmelhin führt,
Du hast es am frühesten Lichttag gespürt,
Und wußtest, die Treu hält wie keine so lang,
Drum suche noch heute die Quelle am Hang.