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Aus »Zweifelsbachgrund«. Gedichte 2010, Vers 35088 bis 35131

MARMELSTEIN


Hart und glänzend, spröd und eisig
Stehst für Tod und Tods Palast,
Doch wie Birke, Hamster, Zeisig
Fronst du See und Sonnenglast.

Denn im Odem, der dem Alle
Geist gab, gibts kein geistlos Ding,
Muschel, Kreide und Koralle
Wandeln rascher bloß im Ring.

Erst im ärgsten Fegefeuer,
Spornt dein Wandelgeist das Pferd,
Daß er die Gestalt erneuer,
Wies dem Holze leicht im Herd.

Säure nur weiß Höllenhunde,
Daß ein kalter Exorzist,
Aus Kristalls gekrümmter Wunde
Hetzt, was ihn sublim bemißt.

Wir erschaun gebannt das Wunder,
Wie das Gitter sprudelnd weicht,
Grad als ob die Flamme Zunder
Wirbelt rasch und federleicht.

Weht der Geist erneut im Winde,
Strömt er gern ins Leben ein,
Daß er Horst und Heimat finde,
Soll nicht Sorg des Freien sein.

Ist zerglüht die Himmelsstrebe,
Sehnt sie durstig sich nach Schlick,
Und das Haus, darin ich lebe,
Nutz der Asche Formgeschick.

Denn geschlämmt wird sie im Winde
Nach dem Geist des Marmels schaun,
Daß sich solcher Art verbinde
Menschenwerk und Gottvertraun.

Doch ich will nicht Marmel schinden,
Wo geringre Steine stehn,
Ehs auch ihn zu überwinden
Gilt, will ich den Dulder sehn.

Seine Spröde setzt dem Hauer
Höchste Hürde, hehrste Norm,
Keine Waage faßt genauer
Künstlers Fehl und Gottes Form.

Meine Zeit, so reich an Lügen,
Muß nicht unbelehrbar sein,
Denn den Maßstab, zu genügen
Zeigt so mancher Marmelstein.