Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Trichterwinde«. Gedichte 2009, Vers 34508 bis 34571

UNTERM TANNENBAUM


Goldner Engel an der Spitze,
Kerzen, rot und weiß wie Schnee,
Daß das Deckchen richtig sitze,
Daß den Pott das Aug nicht seh,
Sorgt Johanne, wenn die Tochter
Putzt den Baum mit Band und Stern,
Friesentee, grad frisch gekochter,
Duftet auch am Tag des Herrn.

Die verschmuste Tigerkatze,
Wundert sich, was man da tut,
Die Bewegung reizt die Tatze,
Das Geblink macht Brodelblut,
Als der Baum noch lag im Wasser,
Sprach der Harz von Jagd und Glück,
Nun ist zwar das Duften blasser,
Doch metallen prunkt das Stück.

Wurzellos in seinem Topfe,
Fehlt dem Baum der rechte Stand,
Doch nach dem Lametta-Zopfe
Schaut das Grünaug unverwandt,
Auf die Äste jetzt sich schleichen,
Merklich kaum, so leis und flink,
Und das Flitterzeug erreichen,
Spricht des Strohsterns holder Wink.

Hilke und ihr Rotbart-Ferge
Passen auf, daß dies nicht klappt,
Doch Geduld versetzt die Berge,
Recht behält, wers Glitzern schnappt.
Aus dem Fenster schaut die Kleine,
Grad als sei der Baum ihr wurst,
Aber Trug dem Augenscheine
Lodert rot der Tatendurst.

Als die Kerzen schließlich brennen,
Fasziniert das Lichterspiel,
Doch die Katze kannst nicht kennen,
Die vergißt beschloßnes Ziel,
Auch das Feuer kann nicht schrecken,
Wer mit Vorsicht und Bedacht
Losgeht, um sich hinzustrecken,
Wo das Gold der Sonne lacht.

Tagelang der Kampf der Wächter,
Anlauf, Sprung und harter Griff,
Doch die Runde für den Fechter
Fand noch nicht den Abgangspfiff,
Also schleicht die Katze weiter
Um den Baum, der gleißt und lockt,
Denn sie braucht ja keine Leiter,
Daß sie bei den Sternen hockt.

Irgendwann sind alle Blicke
Abgewandt und schläfrig gar,
Dann sitzt niemand im Genicke,
Niemand, der dann rascher war,
Denn es ist nicht dran zu rütteln,
Daß erforscht sein muß, was blinkt,
Und vom Wort nicht abzuschütteln,
Daß die Pracht dabei versinkt.

Also sind die Feiertage
Und die Zeit am Tannenbaum,
Halb Belustigung, halb Plage,
Und von Kurzweil wie ein Traum.
Denn die Katze, die uns schmeichelt,
Die sich schmiegt in zarter Last,
Wird doch niemals so gestreichelt,
Daß sie ganz vergäß den Ast.