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Aus »Trichterwinde«. Gedichte 2009, Vers 33102 bis 33137

NATURSPRACHE


Der Forscher meint, sein Schaukorsett
Beschäme jedes Filigran,
Doch geht sein Geist auch spät zu Bett,
Ist doch das Werk nie gut getan.

Zu hobeln hier, zu feilen dort,
Was sich nicht fügt, wird eingepaßt,
Dann treibt im Traum ein leises Wort
Den kalten Schweiß zur nächsten Hast.

Am Ende lautet die Bilanz:
Hätt ich wie Faust den Hexentrank,
Die Wege sucht ich anders ganz,
Denn solche Müh fand selten Dank.

Ganz anders geht der Lauscher vor,
Er ist kein Fänger, wohlbewehrt,
Er setzt auf Elle nicht und Rohr,
Er wartet, bis man ihn begehrt.

Daß anfangs alles klar und rein,
Ist ihm gewiß, der Hochmut schafft
Die Fremdheit und das Einsamsein
Und schließlich, daß der Mut erschlafft.

Entfällt den Wesen blütenzart
Die Zeit wie eine Schlangenhaut,
Wird eine Heimat offenbart,
Die eigenhold aus allem schaut.

Der Sperber aus den Himmelsfrühn,
Der Pollenflug am Anger weiß,
Das lenzne Treiben lindengrün,
Und der Boviste Hexenkreis,

Sie werden ihm, der schweigend preist,
Was ohnehin kein Jäger trifft,
Zu Weisern, wie er selber heißt,
Und wer erhebt das Horn der Hift.

So wird die Sprache, die sein Kleid,
Des Ursprungs inne, reicher noch,
Und ihm erwacht die Heiterkeit,
Wo andre sehn ein schwarzes Loch.