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Aus »Trichterwinde«. Gedichte 2009, Vers 33138 bis 33197

SCHACHSPIEL


Weiß am Zug, und alles offen,
Symmetrie und goldne Ruh,
Hast du deine Wahl getroffen,
Spitzt sich bald die Lage zu.

Stündst du auf dem Feld alleine,
Wär zum Handeln keine Not,
Aber so sind deine Steine
Und dein Überstehn bedroht.

Suche nicht dich einzumauern,
Wenn du fehlst, so hakt er ein,
Der im Offnen weiß zu lauern,
Wagt auch jäh und dreist zu sein.

Läufer mäht die Todeslinie,
Springer brechen Wehr und Wall,
Knickt der Turm wie eine Pinie,
Bricht ins Mark des Feinds Gekrall.

Fällt die Garde im Gemetzel,
Zeigt sich nackt, was wohlbeschuppt,
Hier hilft nicht der Spruch des Tetzel,
Denn das Spiel ist nie korrupt.

Schach! Des Spieles Sturmfanfare
Macht den Jäger jäh zum Wild.
Warnwort, das dir offenbare,
Daß dein Planen nicht mehr gilt.

Opfer! Was noch abzustreifen,
Gib mit Glanz und Freude hin,
Die dir hold mit güldnem Reifen,
Zu entführn, war Angriffs Sinn.

Sie, dir nicht nur Trost und Ehre,
Bogenschützin, Vogelgeist,
Ist ihr Platz der funkelnd leere,
Du erst recht die Größe weißt.

Sie, von Regeln ungebunden,
Zielt für drei, wenn sie sich rührt,
Hat der Gegner sie gefunden,
Wirst du nur noch vorgeführt.

Aber dennoch rückt der Bauer
Stur und langsam durchs Gefild,
Stößt nach vorn die Panzermauer,
Wird das Feindgebiet zum Schild.

Dann, der Übermut der Schlächter
Hat den Frommen übersehn,
Also durfte ein Gerechter
Jenseits dieser Walstatt stehn.

Sagt uns dies, daß der Gewitzte
Durch des Spähers Raster fällt?
Oder daß der Grobgeschnitzte
Lohn für zähes Mühn erhält?

Mischt dem Endkampf sich die Holde,
Wenn der Minner wach und wund,
Panzert Tristans Gram Isolde
Und beendet Schmach und Schwund.

Sekundiert der Amazone
Einhorn an des Springer Statt,
Setzest du des Feindes Krone
In den eignen Mauern matt.

Die Entscheidung ist zu finden,
Nicht die Schleifung aller Wehr,
Und der Seligen, der Linden
Dankst du dabei nie zu sehr.