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Aus »Trichterwinde«. Gedichte 2009, Vers 33712 bis 33759

WOLF BIERMANN


Wolf Biermann, siebzig, lebt noch heut,
Fossile werden mächtig alt,
Der Kampf ist was für junge Leut,
Der Ruhm macht nebelgrau und kalt.

Einst war er unser Bardenheld,
Das Köln-Konzert auf Tonband kam,
Dann hat er abseits sich gestellt,
Was ihm auch rasch die Aura nahm.

Es hieß, in Spanien sei er nun
Als Eurokommunist und sorg,
Daß dort der Linken Weitertun
Den Rat nicht mehr bei Stalin borg.

Dies schien uns seltsam anzusehn:
War, was er dreigeteilt besang,
Nicht voll Raketen und Armeen
Und ausersehn zum Opfergang?

War ihm nicht klar, als Hamburg-her
Er reiste, Brecht und Eisler hold,
Daß niemand stalinistisch wär,
Wenn dies die Sowjets nicht gewollt?

Wohl nicht, er sang und glaubte das,
Es dreh zum Guten sich der Wind,
Wär Stoph nicht doof und Honi blaß,
Und Sindermann nicht völlig blind.

Daß aus Beton die SED,
War ihm die Folge nur von Gicht,
Er rief nicht, daß der Russe geh,
Und sah die wahren Gründe nicht.

November neunundachtzig wär
Am Alex wohl getobt Applaus,
Jedoch nach einem Monat mehr,
War Biermanns Zeit für immer aus.

Inzwischen ist sein Jahrgang meist
Mit Merkel und Amerika
Ganz einig und die Losung heißt:
Es sind zu wenig Waffen da!

Wenn Biermann meint, selbst im Irak
Hätt man den Freunden folgen solln,
Gewiß der Fan von einst erschrak,
Doch Bush wird ihm nicht übelwolln.

Hätt er in Ostberlin gewußt,
Die Freiheit spricht, es geh der Ruß,
Wär ihm nicht tot die Angriffslust,
Weil auch der Ami heimgehn muß.

Daß man ihn ausgebürgert hat,
War nur sein Tod, weil schon zuvor,
Der Wunsch besaß der Klarheit Statt,
Und er das Urteil längst verlor.