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Aus »Trichterwinde«. Gedichte 2009, Vers 33760 bis 33807

POLITISCHE DICHTUNG


Daß heute ich politisch dicht,
Scheint manchem als ein Bruch im Stil,
Jedoch ein andrer ist es nicht,
Der heute meint, er schwieg zu viel.

Als ich verträumt in erster Lieb,
Sprach ich zu solchen Reimen stop,
Weil mir auch höchst verleidet blieb
Die Nötigung zu Agitprop.

Auch keimte früh schon der Verdacht,
Was Jugend da so rumkrakeelt,
Sei einer Absicht nachgemacht,
Die auch ganz andre Mittel wählt.

Es schienen Staat und Anarchie
In Illusionen gleich und gleich,
Der Frühlingsvögel Rhapsodie
Verhieß mir da ein treures Reich.

Ich sang dem Queller, der sich müht
Verzweifelt im versalznen Watt,
Und freute mich an dem, was blüht
Und seine eigne Regel hat.

Der Mensch, der Gott als alt verlacht,
Schien mir nicht wert den Kommentar,
Ich wachte in der Winternacht
Und suchte stets die kleinste Schar.

Die Teilung doch, das Neon dort,
Und hinterhofs mein Kerzenschein,
Nahm man mir immer rascher fort
Und ließ mich nicht mehr abseits sein.

Da merkte ich, daß mein Gebet
Erhört ward, meine Regel käm,
So oft sich auch der Weltwind dreht,
Ich nie mich meiner Herkunft schäm.

Ich komm aus Luthers Land, wo frei
Der Bauer sein will unterm Blau,
Daß deutsch das Wort des Heilands sei,
Sprach mir der Acker und die Au.

Und wen der Teufel läßt in Ruh,
Der ist gewiß kein guter Christ,
Drum schlage auch der Dichter zu,
Umnebelt ihn des Feindes List.

Die Malve, die am Wegrand blüht,
Kann morgen schon begraben sein,
Drum laß das gallige Gemüt
Ins Formgesetz der Lieder ein.

Nicht nur vom Holden lebt das Wort,
Das Widrige, der Schmerz, der Hohn
Und auch der Plan vom Massenmord,
Sie sprechen aus den Menschensohn.