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Aus »In den Isarauen«. Gedichte 2009, Vers 32126 bis 32221

DEUTSCHES MUSEUM


Dem Händler ist das Buch kein Ding,
Das einzig Geist und guter Ton,
Denn daß ihm der Verkauf geling,
Brauchts Propaganda vorher schon,
Weshalb sich leicht erklären läßt,
Daß Unternehmer dieser Gild,
Auf einen, der von Ost nach West
Grad wechselt, nicht besonders wild.

Nur wer in einer Nische webt,
Daß Noten fehlt die Relevanz,
Nicht solcherweis am Dogma klebt,
Wenn er bedenkt: Wer wills, wer kanns?
So brachte mich die Reaktion
In unbeholfnem Wo und Wie
Zur Knechtschaft unter Brotes Lohn
Beim Gral von Stahl und Industrie.

Die Hallen hätt ich sicher nie
Betreten ohne solche Not,
Doch war es keine Perfidie,
Daß sich mir solche Einsicht bot.
Das Reifen und das Abschiedsleid,
Kein andrer Ort so deutlich zeigt,
Weil sonst der Technik Sterblichkeit
Die Außenwelt uns gern verschweigt.

Im Jahre, eh ich damals kam,
Ein Brand zerstörte manchen Raum,
Daß man nicht auf das Thema kam,
Gabs Wochen oder Tage kaum,
Heut steht der Brand im Lexikon
Mit vagem Zeug zu Schuld und Grund,
Als wär bekannt kein Wort davon,
Drum tu ich, was ich hörte, kund.

Es war in jenen Zeiten Brauch,
Die letzte Stunde vor der Nacht
Sei kostenfrei, ein leerer Bauch
Hat damals sich wohl aufgemacht,
Wo Winkel Regel, Klötze dicht,
Ein Bergwerk gar mit finsterm Schacht,
Da braucht man viel Erfahrung nicht,
Daß ein Versteck sei ausgemacht.

Man schloß den Hungerleider ein,
Befriedigt, daß der Abend frei,
Der fand die Segelschiffe fein
Und eine Hängematte frei,
Die ähnelte in sanftem Spiel
Nicht Gehsteig oder Heizungschacht,
Daß ihm die Pfeifenglut entfiel,
Hat er bemerkt nicht, noch bedacht.

In ausdörrten Planken glomm
Der Tabak fort und steckte an.
Heißts nicht, wer schläft, der bleibe fromm?
Oft schärfer rochs dem Wandersmann.
Wann es ihn brenzlig überkam,
Und er, der doch am Leben hing,
Reißaus durchs nächste Schlupfloch nahm,
Mir damals nicht zu Ohren ging.

Man hat ihn sicher bald geschnappt,
Denn er entbehrte großen Geists.
Wer arm ist, in die Falle tappt,
Die üblichen Verdächtgen heißts.
Doch hegt das Amt das Protokoll
Des Schluckers, den der Teufel ritt,
Weil kein Besucher wissen soll,
Warum ein Mensch dies Haus betritt.

Dies war grad wie die Bundesbahn,
Die so am Schmuddelimage litt –
Wie furchtbar, als gekräht kein Hahn,
Jetzt denkt Bewegungsmelder mit!
Ehs ganz zur Rumpelkammer werd,
Wird das Museum aufgeräumt,
Nicht die Historie ist der Wert,
Hier funkle, was man heute träumt!

So gings in jenen Jahren fort.
Ein Brand kommt stets zur rechten Zeit.
Da brauchts nicht den Tyrannenmord,
Die Laren habens selbst entweiht.
Stand einstens hier die Eisenbahn,
So kam schon bald das Hologramm,
Und immer rascher wird getan,
Daß hinterm Zweig verfalb der Stamm.

So war mein Chef, der noch sozial
Gedacht, bald Altlast, Zopf und Mief,
Dann bläst die Börse zum Fanal,
Hängt ohne Geld der Segen schief.
Kein weitrer machte es so lang
Wie der, dem dies war Jugendtraum,
Man hörte schon den Abgesang,
Wenn auf dem Sekt sich legt der Schaum.

Ich war vier Jahre in dem Haus,
Und als ich ging für Nimmermehr,
Gabs keine Katz und keine Maus
Von einstens, als ich kam daher.
So war das Schloß von Erz und Stahl
Lang ein Relikt der Kaiserzeit,
Doch was geschont so manches Mal,
Dem stand der Henker längst bereit.